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sie konkurrierend ihren Betrieb zu vergrößern und ihre
Annonceneinnahmen zu vermehren streben. Aber wer
soll unter dieses Heer gehen, wer, der sich selber achtet,
wer, der nur irgendwelche Befähigung zu reellen Lei
stungen auf dem Gebiete der Wissenschaft, des Gedankens
oder des bürgerlichen Lebens in sich fühlt? Ihr, Pro
letarier, verkauft Euren Arbeitsherren doch nur Eure
Zeit und materielle Arbeit. Jene aber verkaufen ihre
Seele! Denn der Korrespondent muß schreiben, wie
der Redakteur und Eigentümer will; der Redakteur und
Eigentümer aber, was die Abonnenten wollen und
die Regierung erlaubt! Wer aber, der ein Mann ist,
würde sich zu einer solchen Prostitution des Geistes
hergeben? Ferner bedenkt die zerrüttenden Folgen,
welche diese metiermäßige Beschäftigung noch in anderer
Hinsicht nach sich zieht. Ihr, Proletarier, verkauft Euch
doch nur zu einem Geschäft, das Ihr kennt und versteht,
jene aber, die geistigen Proletarier, müssen täglich lange
Spalten füllen über tausend Dinge, über Politik, Recht,
Ökonomie, Wissenschaft, über alle Fächer der Gesetz
gebung, über diplomatische und geschichtliche Verhältnisse
aller Völker. Ob man das Hinreichende, ob man das
Geringste davon verstehe oder nicht — die Sache muß
behandelt, die Zeitung gefüllt sein, das Geschäft bringt eS
so mit sich! Dazu der Mangel an Zeit, die Dinge näher
zu studieren, in Quellen und Büchern nachzuforschen,
ja selbst nur sich einigermaßen zu sammeln und nachzu
denken. Der Artikel muß fertig sein, das Geschäft bringt
es so mit sich! Alle Unwissenheit, alle Unbekanntschaft
mit den Dingen, alles, alles muß möglichst versteckt
werden unter der abgefeimten routinierten Phrase.