der Handel erlebte eine großartige Lntwicklung. Der Ort erstritt
sich damals in harten Kämpfen das volle Stapelrecht. Besonders
imponiert das stattliche Kathaus, das nach dem Muster des Llnt-
werpener Kathaufes gegen Lude des iü. Jahrhunderts erbaut
wurde, und das neben manchen sehr wertvollen Silberstücken eine
großartige Küstzeugfammlung enthält, sie wird als die bedeu
tendste in ganz Deutschland bezeichnet. Üuch manche Privathäuser
zeugen von dem glanz und dem Reichtum früherer Zeiten",
gerade während der damaligen Blütezeit kam eine große Sturm
flut. Die £ms durchbrach ihr altes Bett und verlegte ihren Lauf
weiter links. Trotz größter Mühe konnte inan mit den damaligen
.Mitteln keine Zurückverlegung des großes Stromes erzwingen.
Linden war und blieb für lange Zeit vom Meere abgeschnitten,
diese Hemmung mußte den Handel sehr erschweren. Durch
Friedrich den großen und um den LInfang des ly. Jahrhunderts
erlebte Lmden einen neuen Lluffchwung, bis wieder eine Stockung
eintrat, endlich aber die letzten Jahrzehnte des Jahrhunderts
durch gewaltige technische Bauten der Stadt eine unmittelbare Be
teiligung am großhandel eröffneten. So hat Lmden recht wechsel-
volle gefchicke gehabt.
Besonders eng waren meine Beziehungen zu der kleinen Stadt
Lfens, denn dort wirkte als Kektor an der Lateinschule der jüngere
Bruder meiner Mutter, Larl giktermann. £r war ein sehr offener
und geistvoller Kopf, eine liebenswürdige und seelengute Persön
lichkeit. Lr hat es aber im Leben nicht weit gebracht, teils weil er
seinen Weg geradeaus ging, teils auch well er wenig Talent befaß,
feine vortrefflichen Kräfte zur vollen Entwicklung zu bringen. Seine
philosophische und religiöse Bildung stand unter dem Linfluß des
Iunghegelianismus, namentlich Teuerbachs. Llugenfcheinlich hat
dieser Denker auf die damalige generation einen sehr starken Linfluß
ausgeübt. Manche hielten es für möglich, diese neue Lehre mit der
Keligion und nrit dem Lhristentum unmittelbar zu verbinden.
Natürlich konnte das nur geschehen, indem man alle gegensatze
abschliff und eine idealisierte Welt als Wirklichkeit fetzte. Ls kann
Lmden Hai unter feinen Staatsmännern einmal einen Mann von euro
päischem Ituf gehabt: Johannes Lllthufius (LIlthaus). Lr war 1604—1638
Syndikus jener Stobt. Sein fiaatsphilofophifches Hauptwerk war die poli-
tica 1603 (verändert und vermehrt 1610, außerdem noch je dreimal vor und
nach feinem Tode gedruckt); er war auch in feiner literarischen Tätigkeit ein her
vorragender Verfechter der städtischen und ständischen Interessen. Das Werk
„politica" ist in den späteren Llustagen deutlich mehr und mehr aus die ost
friesischen und niederländischen Verhältnisse und Interessen zugeschnitten. Lha-
rakteristisch ist für lllthustus, der auch Kirchenältester feiner gemeinde war, dag
er 1617 ein gemeinsames Lrinnerungsfest für Luther und Zwingli vorschlug.