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jeden Ougenblicf bereit, auf die Interessen jedes Schülers einzu
gehen und auch ein sprödes Material unverdrossen zu bilden.
Namentlich in der Behandlung der Oufsätze hat er unermüdlich
gewirkt. £r hat nicht selten verschiedene Aufsatzthemen je nach der
Ort und Fassungskraft der Schüler gestellt. Oft hat er mir allein
ein besonderes Thema aufgegeben, um meinen philosophischen
Interessen entgegenzukommen. Dabei stand ich bei höchster Hoch
achtung für Keuter in einem gewissen gegensatz zu ihm. £r war,
wenn auch in keiner Weise fanatisch, so doch ein strenggläubiger
Lutheraner. Ich aber war sowohl durch die Zusammenhänge
meiner Tamilie als durch meine eigenen £indrü^e freigestnnt.
Nun suchte er alles in mir zu erwecken, was mich nach seiner Über
zeugung auf den rechten Weg führen könnte. £r hat oft mit mir
über diese Tragen gesprochen und dabei nie die Qukorikät des Lehrers,
sondern das Necht der Sache eingesetzt. Der blosten Oufklärung
war ich bei aller freien gesinnung von früh an fremd, aber ich
verdnnke Neuter, dast ich die schroffen Zegensätze des Lebens und
des geistigen Bestandes der Seele von Jugend auf durchschauen
konnte und dadurch in der Hauptrichtung meines eigenen Strebens
bestärkt wurde. Natürlich blieb ich Neuter dauernd verbunden,
wir haben regelmästig miteinander korrespondiert*. Ols ich ihn
zuletzt sah, hat er bitterlich geweint.
Sehr bedauerlich, ja empörend war es, dast der tiefinnerliche
und ganz und gar auf feine seelenbildende Orbeit gerichtete Lehrer
zum Schlust seines Lebens in politische Konflikte geriet und dabei
eine Behandlung erfuhr, die uns Ostfriesen empörte. Neuter
stammte aus Hildesheim und fühlte sich als Olthannoveraner.
Nun kam die Onnexion 1866; diese Onnexion mit der £ntthronung
des Königs widersprach seinem moralischen £mpfinden, und wie
er nie aus seiner Überzeugung Hehl machte, so hat er wahrscheinlich
auch zu den Schülern darüber gesprochen. Nun müssen irgend
welche nichtostfriesische Schüler ihren Litern davon erzählt haben,
wahrscheinlich hat sich auch Klatsch daran geknüpft; kurz es wurde
* Veröffentlicht hat meines Wissens Reuter nur eine kleine Schrift „Lcfstngs
Erziehung des Menschengeschlechts. Darlegung des geholtes und des Zweckes"
(x88i, 80 Seiten).
Bemerkenswert ist die enge Beziehung Reuters mit unserem grasten Juristen
Zhering. Wie sehr dieser Reuter schätzte, zeigt ein Zugendbriefvom 17. Dezember
1840, in welchem Zhering schreibt: „Zch werde es stets anerkennen, welch' einen
wohltätigen stinflust Sie auf mein Leben gehabt haben, indem Sie nicht nur
den Sinn für Wissenschaft in mir erweckten, sondern mir auch die Verfolgung
meiner jetzigen Laufbahn so sehr erleichterten".
Zch selbst habe in den Dstfricsischen Monatsblättern 1881 meiner dankbaren
Schätzung Reuters in kurzen Worten llusdruck gegeben (S. 193—198).