Full text : Lebenserinnerungen

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vast  die  hannoverschen  Truppen  unmittelbar  und  ohne  alles  gepäck
vom  Lserzierplatz  nach  göttingen  befördert  wurden.  3o  hatteir
fene  Offiziere  keine  Möglichkeit  gehabt,  sich  auch  nur  mit  den  nötigsten
Dingen  zu  versorgen.  Zugleich  verbreitete  sich  die  Nachricht,  dast
auch  der  König  in  göttingen  anwesend  sei  und  in  dem  gasthof
„Zur  Krone"  wohne.  Nun  gab  es  eine  ungeheure  Qufregung.  Ülle
Verbindungen  nach  drausten  waren  zerstört,  die  sonderbarsten
gerächte  durchschwirrten  die  3tadt.  3o  verbreitete  sich  unter  anderen ­
  das  gerächt,  die  Österreicher  hätten  sich  Dresdens  bemächtigt
und  marschierten  schon  auf  Berlin,  und  bayrische  Truppen  seien  im
Vormarsch  auf  göttingen,  um  sich  mit  den  Hannoveranern  zu
vereinigen.  Ls  war  mir  selbst  interessant  zu  erfahren,  wie  leicht  sich
in  solcher  gespannten  Lage  bloste  Möglichkeiten  zu  Wirklichkeiten
verdichten.  Ich  selbst  habe  mit  Holdaten  gesprochen,  deren  einer
ganz  bestimmt  versicherte,  er  selbst  habe  bayrische  Truppen  gesehen
und  gesprochen.  £r  must  natürlich  irgendwelche  andere  Leute  dafär
gehalten  haben.  Die  HtuSenten  waren  politisch  sehr  geteilter
Meinung.  Die  meisten  Ülthannoveraner  waren  erbittert  gegen
preusten,  alle  aber  waren  einig,  bei  einer  etwaigen  Hchlacht  den
Verwundeten  möglichst  zu  helfen.  £s  wurden  schon  Vorbereitungen
zur  Organisation  der  Hilfe  getroffen.  Bald  aber  verbreitete  sich
das  gerächt,  der  König  und  sein  5tab  würden  göttingen  verlassen
und  sich  mit  der  Qrmee  nach  Thüringen  begeben.  Qm  frühen
Morgen  erfolgte  diese  Übreise;  ich  selbst  habe  von  meiner  Wohnung
aus  den  König  auf  seinem  letzten  Kitt  gesehen.  Ich  wurde  somit
Zeuge  eines  ergreifenden  geschichtlichen  llktes.  Der  König  bog  bei
diesem  Kitt  in  eine  verkehrte  gasse  ein  und  mustte  erst  durch  den
Üdzutanten  nach  der  richtigen  öeite  geleitet  werden.  War  das
nicht  ein  Omen?
Nach  dem  Übzug  der  hannoverschen  Truppen  war  göttingen
ohne  alle  Obrigkeit.  Manche  Htudenken  verbreiteten  übertriebene
Bilder  von  einer  drohenden  Plünderung,  und  diese  fanden  soweit
glauben,  dast  die  Ltudentenschaft  die  Qufforderung  erhielt,  selbst
die  Ordnung  in  der  ötadt  in  die  Hand  zu  nehmen.  Sie  erklärte
!lch  dazu  gern  bereit,  aber  sie  verlangte  eine  gewisse  Bewaffnung;
sedem  sollte  ein  gewehr  und  ein  öäbel  aus  dem  städtischen  Zeughause ­
  zustehen.  So  kam  es  denn  auch.  Wir  marschierten  und
patrouillierten  durch  die  ganze  Ltadt;  Korps,  Burschenschaften  und
Wilde  waren  in  diesem  Talle  völlig  einig.  Die  akademischen  Hauptgebäude ­
  wurden  unter  uns  verteilt  und  genügend  Hauptpunkte
eingerichtet.  Während  der  Nacht  waren  durchweg  Wachen  aufgestellt
und  wurde  fortwährend  patrouilliert.  Jeder  einzelne  Trupp  hatte
eine  besondere  Üufgabe.  Ich  selbst  erhielt  z.  B.  die  Oufgabe,  in
der  Nacht  von  12  bis  2  Uhr  den  göttinger  Bahnhof  daraufhin
            
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