Full text : Lebenserinnerungen

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stand,  Strousberg,  der  als  Lifenbahnunternehmer  eine  führende
Ztellung  hatte,  und  den  Pastor  Knaack,  der  eine  Zielscheibe  des
Berliner  Witzes  war,  weil  feine  streng-biblifche  Überzeugung  die
Lrde  als  den  Mittelpunkt  der  Welt  erklärte.  Mein  Onkel  Larl,  in  dem
noch  der  alte  Theologe  steckte,  entschied  sich  bei  gebotener  Kürze  de«
Aufenthaltes  und  notwendiger  Üuswahl  für  Knaack,  mustte  aber
anerkennen,  dast  die  dargebotene  predigt  vortrefflich  und  eindringlich ­
  war.  —  Nunmehr  haben  wir  auch  die  Umgebung  Berlins  genossen. ­
  Wir  fuhren  wiederholt  nach  Potsdam  und  hatten  namentlich ­
  Treude  an  dem  Zauber  der  dortigen  Leen.  Tegel  war  damals
still  und  bot  den  wohltuenden  Eindruck  einer  edlen  Kultur.  Ouch
Lberswalde  und  Treienwalde  wurden  besucht.  Wir  begannen
schon  Berlin  als  unsere  Heimat  zu  betrachten.  Die  öommerferien
brachten  eine  Keife  nach  Thüringen,  die  uns  zum  ersten  Male  auch
nach  Jena  führte.  Lchon  die  Keife  von  llpolda  aus  machte  einen
recht  gemütlichen  Eindruck.  Wir  hatten  einen  Lchnellzug  bis  llpolda
benutzt  und  erkundigten  uns  dann  nach  der  Fahrgelegenheit  nach
Jena.  Uns  wurde  erwidert,  das  hätte  noch  gute  Zeit,  die  Keifenden
würden  abgerufen,  wenn  es  Zeit  wäre.  Wir  setzten  uns  in  den
Omnibus  und  fuhren  zur  nächsten  Ltation  Isserstedt.  Dort  wurde
federn  Herrn  ohne  weiteres  ein  Kännchen  Lichtenhainer  Bier  in  den
Wagen  gereicht.  Dann  fuhren  wir  von  der  Höhe  durch  das  anmutige ­
  Mühltal  nach  Jena.  Die  Ltadt  hatte  damals  etwa  yooo  Linwohner,
  sie  war  ohne  Tabriken,  alles  war  hier  in  den  stillen  Dienst
geistigen  Lchaffens  gestellt  und  durch  eine  graste  Vergangenheit
geweiht.  Das  Paradies  war  noch  nicht  zerstückelt,  die  gärten  hatten
um  fene  Zeit  einen  prächtigen  Kofenflor.  Man  empfing  den  entschiedenen ­
  Lindruck,  dast  es  sich  an  diesem  Orte  gut  leben  lasse.
Linen  vollen  Tag  verbrachten  wir,  um  sowohl  den  Tuchsturm,
als  auch  den  Torsi  zu  besuchen;  alles  das  war  ländlich  und  behaglich. ­
  Line  gelegenheit,  die  Hauptzierde  der  damaligen  Universität, ­
  Kuno  Tischer,  zu  besuchen,  hatte  ich  leider  nicht.  Lpäter
hat  schon  der  bedauerliche  Htreit  zwischen  Trendelenburg  und  Tischer
ein  engeres  Verhältnis  zu  diesem  verhindert.  Lchliestlich  haben  wir
doch  in  freundlicher  Weise  miteinander  korrespondiert.
Om  folgenden  Morgen  ging  die  Keife  vom  alten  Posthause  aus
in  das  Laaletal.  Von  einer  Llfenbahn  war  damals  noch  keine
Kede.  Morgens  7  Uhr  begann  die.Tahrt,  auster  uns  hatten  sich
nur  noch  ein  paar  Herren  eingeschrieben.  Wir  alle  freuten  uns
über  den  Ünblick  der  Leuchtenburg,  die  vorwärts  und  rückwärts
lange  das  Bild  beherrscht.  In  Kahla  war  ein  Trühstück  für  die  Keifenden ­
  bereitet,  an  dem  sich  feder  beteiligte.  Von  Kudolstadk  ging  es
nach  dem  Lchwarzatal  und  bis  nach  Lchwarzburg.  Überaus
wohltuend  empfanden  wir  den  grasten  Kontrast  zwischen  dem

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