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verschiedene kleine Ausflüge gemacht, namentlich noch vor dem
Mnter einen großartigen Alpenblick auf der Trohburg genossen,
wo alle großen Zipfel aus dem sonstigen tiefen Nebel klar und
hell hervorragten. Werner haben wir mit der uns befreundeten
Tamilie des Philosophen Lengler in Treiburg noch am lo.Mai 1872
einen Ausflug nach dem im frischen grün prangenden Höllen
tal gemacht. Wir hofften durch einen Aufenthalt auf dem Ltoos
eine völlige Kräftigung zu erreichen. Aber schon einige Tage nach
^enem Ausflug verschlimmerte sich das Befinden meiner Mutter
sehr. Hie fühlte sich sehr matt und schwach, ohne sedoch über beson
dere Lchmerzen zu klagen. Aber offenbar hat sie sich schon damals
mit dem gedanken eines baldigen Todes stark beschäftigt. Lines
Morgens trat sie in beinahe feierlicher, aber freudiger Ltimmung
in das gemeinsame Trühstückszimmer und erzählte mir, sie hätte
im Traume nun endlich ein vollauf deutliches Bild ihres jüngeren
Lohnes gehabt, was ihr sonst nie gelungen war. Lie hat aber
weiter nicht geklagt und hat noch erlebt, daß mein erstes Luch
über die aristotelische Methode mir samt dem Honorar von dem
Weidmannschen Verlag übersandt wurde. Dann aberging es sehr
schnell abwärts, und am Zi.Mai ist sie ohne schweren Todeskamps
verschieden. Der behandelnde Professor Miescher hat mir dann
berichtet, dieser baldige Tod sei als ein großes glück zu betrachten,
es habe sich schon ein Krebsleiden entwickelt, wovon sie nicht die
mindeste Ahnung hatte.
Was der Verlust meiner Mutter für mich bedeutete, das ent
zieht sich Worten. Aber bei allem Lchmerz mußte ich dankbar an
erkennen, daß meiner Mutter ein innerlich reiches und edles Leben
beschieden war. Ihre Jugend war ruhig und heiter, in der Lhe
fand sie ein zusagendes Leben, aber zehn Jahre hindurch waren
dieser Lhe Kinder versagt. Dann gab die freudig begrüßte gebürt
ihrer beiden Kinder ihrem Leben einen reicheren Inhalt. Aber kaum
war das geschehen, so häuften sich Lorgen und Lchmerzen, sie
verlor rasch nacheinander den blühenden Lohn und den geliebten
Mann und war allein auf ihre eigene Kraft angewiesen. Nun
hat sie alle Mühe daran gesetzt, mir eine volle Lntwicklung
meiner Kräfte zu bereiten und alle Hemmungen zu überwinden;
das ist ihr vollkommen gelungen, und mit inniger Treude und
Dankbarkeit durfte sie solches gelingen vollauf erleben. Als ich von
meiner Basier Antrittsrede zurückkam, fand ich sie tiefbewegt in
Treudenträncn; ihr eigenes Werk war damit vollbracht, sie hatte
keine weiteren Wünsche an das Leben. Ich aber mußte nun auf
lange Jahre hinaus einsam weiterwandern.
Diese unerwartete Wendung mußte mich aufs schwerste er
schüttern und meine Ltellung zum Leben wesentlich umgestalten.