JluÖolf Htähelin gewonnen. £r verband mit geistiger Tiefe und
seelischer Äärme eine universale Denkweise, einen offenen Blick für
alle menschlichen Dinge und auch für die Natur, die gäbe scharfer
Beobachtung, dazu einen sprudelnden Humor. Lo war es mir ein
groster gewinn, in ihm einen echten Treund zu gewinnen. Leider ist
der vortreffliche Mann viel zu früh (lyoo) von uns gegangen.
Mit ihm und feiner Tamilie habe ich im Lämmer 1873 einen
ebenso wohltuenden wie genustreichen Llufenthalt im Berner Ober-
lande nahe der Pracht der Ülpenwelt (in Beatenberg) gehabt und
mich dadurch sehr erfrischt; nun erwachte bei mir auch wieder die
Treude an der grosten Natur.
Terner fehlte es nicht an manchen angenehnten Beziehungen zu
weiteren Lchweizer Kreisen. TlTit besonderer Treude gedenke ich der
Tage, welche ich als Teilnehmer der theologischen Prüfungen in
Zürich verlebte; es war das ein Kreis lebenserfahrener und sym
pathischer Menschen, welcher dort unter der geschickten Leitung des
geistvollen Üntistes Tinsler zusammentraf.
Über eben nun, wo ich festen Boden in der Lchweiz fühlte, erhielt
ich in den Weihnachtstagen 187z ein Telegramm des Ienatfchen
Universitätskurators Leebeck, er wolle mich besuchen und mit
niir sprechen. Ich konnte mir natürlich denken, was dieser Besuch
bedeutete, und hatte während der folgenden Tage Zeit genug zu
überlegen, ob ich dauernd in der Lchweiz bleiben oder nach
Deutschland zurückkehren solle. Vieles fesselte mich in der Lchweiz
und besonders in Basel. Die herrliche Natur, die Tüchtigkeit und
Zuverlässigkeit der Bewohner, die feste gemütsart, welche ntanche
gemeinsame Züge mit der friesischen hatte. Dazu schwebte da
mals das Projekt einer eidgenössischen Universität, die ein grösteres
Teld für wissenschaftliches Wirken geboten hätte. Über ich habe
mich bald für Deutschland und Jena entschieden; ich war zu
jung, um jetzt schon den Lauf nteines Lebens festzulegen; dazu
konnte mir nicht zweifelhaft fein, dast, solange ich unter dem Lin
druck meines schweren Verlustes war, ich nicht die volle Trische und
die nötige Lpannkraft des Lchaffens erlangen würde; eine Ver
änderung und eine Versetzung in eine neue Lage versprach, mein
Ltreben wesentlich zu fördern; auch konnte ich für einen auf
strebenden Philosophen keinen besseren Wirkungsplatz wünschen
als Jena mit seiner grosten Tradition, die bis zu Kuno Tischer
reichte. Lo konnte ich der Unterredung mit Leebeck eine bereit
willige Ltimmung entgegenbringen. Von Leebeck empfing ich beim
ersten Ünblick einen hervorragenden Lindruck. Line bewunderungs
würdige geistige Weite, eine graste gäbe der llusfprache und an
regenden Unterhaltung, dabei eine unverkennbare gütigkett und
Vornehmheit der gesinnung. Lr schilderte mir die jenaischen