Full text: Lebenserinnerungen

meinem Streben nicht an wohlwollender Anerkennung. Das fedoch 
konnte mir nicht entgehen, dast überwiegend die Ülteren für mich 
eintraten, während den Jüngeren mein Streben gleichgültig war. 
Ich stand eben mitten zwischen verschiedenen Lebenswogen: die 
ältere Bpoche war vergangen, und ich konnte mich ihr nicht am 
schließen, die Jüngeren aber verfolgten eine andere Nichtung; so 
blieb meine Stellung eine einsame. Neben meinen Schriften habe 
ich manche kleine Llufsätze über laufende Zeitfragen geschrieben; es 
war namentlich die Üugsburger Llllgemeine Zeitung, die mir dabei 
freundlich zur Hand ging. 
3Hir die innere Unruhe, unter der ich damals stand, war mein 
Verlangen bezeichnend, gröstere oder kleinere Neisen zu unter 
nehmen; fo war ich in Berchtesgaden und Umgebung, so in Bor 
kum, so in Sastnitz, so in Holland und Glandern, so zweimal 
auch in Italien; alles das brachte mir natürlich mannigfache Lr- 
weikerung und Forderung, aber es gab mir nicht einen festen 
Stand im eignen Leben und Denken, es gewährte mir keine innere 
Sicherheit und Dreiheit. , 
1881—1890 
Die grundlegung einer selbständigen Gedankenwelt 
und die Begründung eines eignen Hauses. 
£ ine Neihe von Jahren der LIrbeit war verstrichen, ohne mir den 
ersehnten Qbschlust zu bringen, endlich aber schlossen sich mir 
die gedanken genügend zusammen, um mich einer festen Haupt 
richtung gewist zu machen; es geschah das in entscheidender Weise 
in den Jahren 1881 und 1882. Uber das Nähere meiner philo 
sophischen Überzeugung berichten meine Bücher, aber in aller 
Kürze must ich darlegen, was ich in fener Nichtung suchte. Der 
Üusgangspunkt meines Skrebens war der Begriff des Lebens; in 
diesem Begriff aber unterschied ich deutlich eine niedere und eine 
höhere Stufe, eine biologische und eine noologische; dort war das 
Leben naturgebunden, hier erreichte es eine Selbständigkeit und ein 
Beisichselbstsein, dort entstand ein Lebensgefllge, das in die Wechsel 
beziehungen der einzelnen Llemente aufging, hier führte eine ge- 
samtmacht und war fähig, ein Neich der Inhalte hervorzubringen; 
so traten das Dasein mit seiner Erfahrung und eine Tatwclt scharf 
auseinander, um fchliestlich allerdings irgendwelche Qusgleichung 
zu finden. Der Mensch aber gewann einen grundverschiedenen 
Ünbstck, fe nachdem er ein Stück fener Beziehungswelt blieb
	        
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