Full text: Wesen und Weg der Sozialisierung

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Man kann aber nur dann über den Naturallohn der Arbeiter ver 
handeln, wenn man ihn auszuzahlen vermag. Dazu bedarf es um 
fassender Maßnahmen; die Verteilungsorganisationen des Krieges, 
dürften für diese Zwecke kaum ausreichen. Es bedarf einer weit 
gehenderen Verknüpfung der einzelnen Wirtschaftsglieder. Um auf 
diesem Gebiete die Sozialisierung vorbereiten und eine planmäßige 
Versorgung Aller einleiten zu können, wäre im Augenblick die Schaf 
fung großer Industrie- oder Bankkonzerne erwägenswert, welche die 
Versorgung der Arbeiterschaft unter deren Kontrolle in die Hand zu 
nehmen hätten; ihre spätere Eingliederung in die sozialistische Wirt 
schaft bleibe hier unerörtert. Es kam bereits während des Krieges 
mehrfach vor, daß große Werke mit Landgebieten Pacht- oder Liefe 
rungsverträge abschlossen oder sogar Landgüter kauften, um Lebens 
mittel für ihre Arbeiter zu erlangen. Wir können uns ohne Schwierig 
keiten vorstellen, daß ein solcher Industrie- oder Bankkonzern, welcher 
für die Arbeiter nunmehr Lebensmittel in ähnlicher Weise besorgt, wie 
er sonst Rohstoffe für eine Industrie beschafft, alles anwenden wird, 
um die landwirtschaftliche Produktion und den Import zu steigern. So 
würde z. B. ein solcher Konzern langfristige Investitionskredite ge 
währen und für Meliorationen aller Art Sorge tragen. Selbstverständ 
lich würde auf diese Weise eine unmittelbare Interessengemeinschaft 
zwischen Industrie und Landwirtschaft entstehen, der ähnlich, welche 
innerhalb eines gemischten Werkes zwischen Gruben, Hüttenwerken 
und den verarbeitenden Betrieben besteht. Es würde schließlich wohl 
dazu kommen, daß die Industrie, bzw. der Bankkonzern, gleichzeitig 
landwirtschaftliche, bergbauliche und industrielle Geschäfte betreibt. 
Selbstverständlich würde die Industrie ihre Produkte der mit ihr ver 
knüpften Landwirtschaft zuführen und so zum Teil eine Art Natural- 
tausch ermöglichen. Ein solcher Naturaltausch würde insbesondere 
dann an Bedeutung gewinnen, wenn Anbauprämien in Form von 
Industrieprodukten gewährt würden und überhaupt die Versorgung 
der Landwirte mit Industrieprodukten möglichst einheitlich und über 
sichtlich erfolgte. 
In welchem Ausmaß der Staat in diese Organisationen eingreift, 
hängt von dem Verhalten der in Frage kommenden Verbände ab. 
Jedenfalls kann unter Heranziehung der landwirtschaftlichen Genossen 
schaften und sonstiger Organisationen durch eine solche Maßnahme 
'die Sozialisierung der Qesamtwirtschaft ein gut Stück vorwärts ge 
bracht werden. In welcher Weise man die früher selbständigen Unter 
nehmer entlohnt, welche nunmehr als Beauftragte der Gesamtheit vor-
	        
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