Full text: Die Zukunft unserer Wirtschaft

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Besoldungen, das Einkommen rechnungspflichtiger Unter 
nehmungen einerseits, die staatlichen Monopole und die 
indirekten Steuern andererseits) unverhältnismäßig hoch 
in Anspruch genommen werden. Die Ungerechtigkeit die 
ser Methode, die gerade die großen Vermögen und Ein 
kommen weniger trifft, dagegen die allgemeine Lebens 
haltung schwer belastet, ist allgemein bekannt. Es ist nun 
kaum möglich, im Augenblick das ganze System der Be 
steuerung zu ändern, obwohl die Reformen, die Lloyd 
George vor dem Kriege im britischen Reiche durchzu 
setzen wußte, ein ganz beachtenswertes Vorbild bieten 
würden. 
Da die Erhöhung des Bestehenden keinesfalls atis- 
reicht, muß, schon um des Staatskredites willen, Neues 
gefunden werden. 
VIII- 
Dieser Gedankengang weist vor allem auf eine radi 
kale Vermögensabgabe- Sie muß eintreten, soweit es nicht 
gelingt, die schwebenden Schulden durch Anleihen voll ab 
zustoßen. Sie wird allerdings für keinen Fall ganz zu ver 
meiden sein; ihr Ausmaß aber wird sich nach diesem Be- 
darfe richten müssen. 
Es sind in der Wissenschaft schon verschiedene Vor 
schläge aufgetaucht, die der völlig geänderten Auffassung 
des wirtschaftlichen Lebens, wie sie im Gefolge des 
Krieges nach Geltung ringt, Rechnung tragen wollen. 
Walter R a t li e n a u meint, es sollte nicht angehen, daß 
Vermögen weit über das hinaus, was zur Befriedigung 
auch der weitestgehenden Lebensbedürfnisse dienen kann, 
angesammelt w.erde, solange ungezählte Millionen Menschen 
nicht in der Lage sind, die nackte Notdurft des Leibes zu er 
halten und dem Bildungsbedürfnisse zu genügen, das ihnen 
die Verwertung ihrer natürlichen Anlagen gestatten würde. 
Rudolf G o 1 d s c h e i d will den Staat aus der drückenden 
Abhängigkeit von dem Kapital befreien, indem er ihn 
selbst durch Enteignung zum größten Kapitalisten ge 
staltet- Die Bodenreformer möchten den Grundbe 
sitz in die Hand des Staates legen, um dem Wucher mit 
den Bodenerzeugnissen und der Ausnützung der Knapp 
heit des vorhandenen Grundbesitzes zu begegnen. Es ist 
kaum anzunehmen, daß man soweit gehen wird. Aber eine
	        
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