Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Die „interpsychologische“ Grundlegung der Nationalökonomie 501 
im Tauschfall führen, wurde oben berichtet. Der Kosten wert, 
als Ergebnis eines Konfliktes zwischen Begehren und Anschau 
ungen, ist denn auch eine Erscheinung der wirtschaftlichen 
Gegensätzlichkeit, während der Gebrauchswert, zu dem wir jetzt 
übergehen, recht eigentlich eine Anpassungserscheinung ist 1 ). 
Der Gebrauchswert beruht darauf, daß es Begehren gibt, die 
sich unterstützen, die zusammenwirken. Darum nennt ihn Tarde 
auch wohl valeur-aide. Wenn ein Begehren uns durch seine 
Befriedigung instand setzt, ein anderes besser zu befriedigen, 
so wächst dadurch für uns der Wert, den wir der Brauchbar 
keit beilegen, die zur Befriedigung des ersten Begehrens dient. 
Die Speise, die ein Mensch zu sich nimmt, dient nicht nur 
dazu, seinen Hunger zu stillen, sondern sie wirkt mit an der 
Erzeugung aller jener Handlungen und Arbeiten, die sich im 
Gefolge seines gestillten Hungers bei ihm abwickeln werden. 
Das kleinste Stück Brot wird einen um so großem Wert haben, 
je länger und vielseitiger die Serie der Handlungen sein wird, 
welche es den Menschen, der es ißt, zu vollbringen instand setzt, 
je intensiver die Bedürfnisse sind, zu deren Befriedigung es ihn 
befähigt. Der Gebrauchswert hat, wie der Kosten wert, eine 
individualpsychologische und eine soziale oder volkswirtschaft 
liche Existenz. Individualpsychologisch mißt er sich an dem 
Grade der Zweckmäßigkeit des individuellen Handelns; volks 
wirtschaftlich mißt er sich an dem Grade des Zusammen 
wirkens der arbeitsteiligen oder richtiger arbeitsgemeinschaftlichen 
Tätigkeit 2 ). 
Der Kostenwert und der Gebrauchswert wechseln in um 
gekehrtem Verhältnis. Bei jeder Erfindung, die uns instand 
setzt, ein Gut durch Ge- oder Verbrauch in einer neuen Weise 
nutzbar zu machen, steigt dessen Gebrauchswert, während sein 
Kostenwert abnimmt. Allerdings vermehrt eine neue Erfindung 
zunächst die Begehren im Herzen der Menschen und folglich 
*) Tarde, La Logique sociale, p. 358 ff. 
2 ) Tarde drückt die Zweiteilung des Wertes in Preis und Gebrauchswert 
auch wohl wie folgt aus: „Ein Ding ist wert: 1) was sein Erwerb kostet, 
2) was es zu erwerben instand setzt, wenn man es austauscht, oder was es zu 
erzeugen beiträgt, wenn man es verbraucht.“ Tarde, La Logique sociale, 
p. 382.
	        
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