thumbs : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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heranwachsende  Jugend  und  ihr  Vaterland  vor  neuen  Fehlern  und
Erschütterungen  zu  bewahren.  Le  Play  selbst  ersah  daraus  die
Schwierigkeit  richtiger  Beurteilung  aller  dieser  Fragen;  wir  werden
später  sehen,  welche  Schlüsse  er  daraus  zog.
Die  für  ein  Kind  sehr  ernste  Lebensweise  in  Paris  wurde  alljährlich ­
  durch  einen  Sommeraufenthalt  auf  dem  Lande  unterbrochen.
Hier  wurde  Le  Play  wieder  Kind;  er  half  den  Landarbeitern,  den
Jägern  und  Fischern  bei  ihren  verschiedenen  Verrichtungen;  bei
den  Gärtnern  trieb  er  seine  ersten  botanischen  Studien.
So  fand  ich  mich,  ohne  jedes  festgesetzte  System,  in  eine  Menge  von
Begriffen  eingeführt,  die  es  mir  viel  später  erlaubten,  diesen  Arbeiten  bei  der
Untersuchung  der  ländlichen  und  gewerblichen  Hierarchien  ihren  richtigen
Platz  anzuweisen.
Im  Jahre  1815  starb  der  Onkel  Le  Play’s,  und  der  jetzt  neunjährige
Knabe  kehrte  nach  Honfleur  zurück.  Mittlerweile  war  Friede  geworden, ­
  und  die  Bevölkerung  hatte  ihre  alten  Gewohnheiten  und
Beschäftigungen  wieder  aufgenommen.  Die  Religion  gab  ihr  Ablenkung ­
  und  Trost  bei  ihrem  rauhen  und  gefährlichen  Beruf.  Die
nächsten  7  Jahre  (1815—1822)  brachte  Le  Play  wieder  inmitten
dieser  Fischerbevölkerung  zu,  in  enger  Anteilnahme  an  ihren  Leiden
und  Freuden.  Die  Revolution  hatte  in  seiner  Heimat  keine  große
Wirkung  gehabt.
Die  Familien  der  Häusler,  Bauern  und  Großgrundbesitzer  waren  durch
die  Gesetze  der  „Terreur“  noch  nicht  aufgelöst;  sie  bewahrten  in  ihren  Hütten
mit  den  alten  Sitten  zugleich  die  Gewohnheiten  der  ständischen  Unterordnung
und  der  Einigkeit,  die  sich  an  den  Ufern  der  Nord-  und  Ostsee  noch  länger
erhalten  haben.
Aus  den  Erzählungen  älterer  Leute,  die  das  ancien  regime  noch  gekannt ­
  hatten,  lernte  er  die  Zeit  vor  der  Revolution  kennen  und
fand  bestätigt,  was  „der  weiseste  seiner  Pariser  Lehrer“  (der  „Gentleman“) ­
  ihn  gelehrt  hatte:  daß  die  Korruption  der  herrschenden
Klassen,  hervorgehend  aus  dem  Geiste  der  Irreligiosität,  die  Hauptursache ­
  der  Revolution  gewesen  war.
Neben  diesen  Studien  praktischer  Lebenserfahrung  und  Lebensauffassung ­
  vernachlässigte  Le  Play  die  Wissenschaften  nicht.  Er
besuchte  das  Gymnasium  zu  Havre  und  beschäftigte  sich  mit  Cicero
und  Tacitus;  in  dem  Werke  des  letzteren  über  die  Germanen  suchte
er  besonders  die  Stellen  heraus,  die  die  Hochachtung  seiner  Pariser
Lehrer  für  die  zeitgenössischen  Deutschen  rechtfertigten.  Ein  alter
Geistlicher  vervollständigte  seine  religiöse  Erziehung.  Den  Abschluß
            
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