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Von den babylonischen, den altgriechischen und römischen Bankiers
führt über die italienischen Bankiers des Mittelalters, die Wechsel- und
Effektenbankiers des 18. und 19. Jahrhunderts und das internationale
Haus Rothschild eine lange, nicht immer gradlinige Entwicklung zu den
Privatbankfirmen der Gegenwart. Aus dem Getreide-, dem Woll- und
Spiritus-, dem Speditions- und Kommissionsgeschäft, dem Warengeschäft,
das das Bankgeschäft nach sich zog, ist ein großer Teil der deutschen Privatbankiers
hervorgegangen. Der bisherige Geschäftszweig wird, wenn er
weniger ertragbringend ist, zugunsten des auf der Währungszersplitterung
beruhenden Wechselgeschäftes, sowie des Kredit- und sonstigen Bankgeschäfts
mehr und mehr vernachlässigt. Schließlich wird das Warengeschäft ganz
aufgegeben und nur noch das Bankgeschäft betrieben.
Der Typ des Geldwechslers tritt zurück gegenüber dem Bankier, der
Buch- und Diskontkredit gewährt. Die Formen der neuzeitlichen Wertpapiere
und der Handel in ihnen finden ihre Ausgestaltung durch jüdische
Elemente. Manche von ihnen besorgten die Geldgeschäfte von Fürsten, wurden
„Hofjuden" oder „Hoffaktoren" und brachten es zu großem Reichtum.
Es entstehen die großen Emissionshäuser, an ihrer Spitze das Haus
Rothschild. Als Meyer Amschil Rothschild, der 1770 die Firma in
Frankfurt a. M. begründet hatte, 1812 starb, bestimmte er in seinem Testament,
daß die Firma als „unteilbares Ganzes" fortbestehen solle. Diese
Zusammenballung des Kapitals ist eine der wesentlichen Ursachen, daß das
Haus Rothschild, das von je einem der fünf Söhne des Begründers in
Frankfurt a. M., in Paris, in London, in Wien und in Neapel vertreten
wurde, solch ungeheure Finanzmacht erlangte. Privatbankfirmen mit internationalem
Geschäft waren in Frankfurt a. M. auch die Bethmann, Grunelius
und Goll, in Berlin die Schickler, Mendelssohn, Blcichroeder, Delbrück.
Große Privatbankfirmen in Breslau, Köln, Hamburg, Leipzig,
München usw. waren weit über das lokale Kundengeschäft herausgewachsen.
Die Kreditgewährung aus eigenen Mitteln und aus Kundschaftseinlagen
brachte eine weitgehende gegenseitige Abhängigkeit zwischen Kreditgeber
und Kreditnehmer mit sich.
Die Zahl der Privatbankgeschäfte, von denen einige in einer
ning, Die Entwicklung des überseeischen deutschen Bankwesens. Berlin 1907.
Fritz Benfey, Die neuere Entwicklung des deutschen Auslandbankwesens
1914—1922. Berlin 1925.