Object: Ferdinand Lassalle

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kam zufällig der alte Lassalle. Tochter und Schwieger 
sohn nahmen ihn kurz vor Tisch ins Gebet, damit er sich 
ja nicht verplaudere, daß sie Juden seien. Den Alten 
empörte das, aber er schwieg. 
Als alle sich an den Tisch gesetzt hatten, bat der alte 
Lassalle um Aufmerksamkeit, und als alles still war, 
fragte er laut, ob auch die Anwesenden wüßten, daß sie 
an dem Tische eines Juden saßen. „Ich halte es für 
meine Pflicht, mitzuteilen, daß ich ein Jude bin, daß 
meine Tochter eine Jüdin ist und daß mein Schwieger 
sohn ein Jude ist! Ich wünsche nicht durch einen Betrug 
die Ehre zu erkaufen, mit Ihnen zu speisen." Be 
greiflich antworteten die gebildeten Leute mit voller 
Liebenswürdigkeit und ließen Lassalle hochleben. Der 
Schwiegersohn aber war in die äußerste Verlegen 
heit gebracht und konnte dem Alten diesen Einfall 
nie vergessen. 
Zu unserm Mittagessen kam nur die Gräfin; auch 
sie war wie trübsinnig und schweigsam, obschon sie sich 
mit großer Zärtlichkeit an mich wandte. Es schien mir, 
als ob sie mich verstünde. 
Mir war unbeschreiblich schwer zumute, und obschon 
Zweifel in bezug auf die Art meiner Gefühle für Lassalle 
in mir nicht mehr aufstiegen, wollte ich doch, im Hin 
blick auf die heiße, unbegrenzte Liebe, welche sich in 
jeder Bewegung, in jedem Blicke kundtat, mich in eine 
Stimmung versetzen, in der ich die Möglichkeit hätte, 
selbstlos seine Liebe zu erwidern. Und je mehr ich mich 
selbst überzeugen wollte, daß das möglich sei, um so 
trübsinniger und zurückhaltender wurde ich gegen meinen 
Willen.
	        
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