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Der Typus aller Abrechnungsstellen ist das in der Mitte des 18. Jahr
hunderts entstandene Bankers Clearing-House in London.
Einer Anekdote nach verdankt das englische Abrechnungswesen seine Ent
stehung der Findigkeit und Bequemlichkeit einiger englischer Kassenboten. Diese
fanden es lästig, in Wind und Wetter umherzurennen, um Noten, Wechsel und
Schecks einzukassieren. Sie sollen sich dann in einem Lokale beim Glase Bier
tagtäglich zusammengefunden haben, um die Forderungen ihrer Häuser soweit
als möglich auszugleichen. Die Chefs, so berichtet die Anekdote, haben die
Idee sehr gut gefunden, nur den Ort der Zusammenkunft hielten sie einer Ver
besserung fähig.
Ursprünglich beteiligten sich am Londoner Clearing-Haus nur Privat
bankiers. Erst 1854 traten die großen Aktienbanken (lloint Stock Banks) und
1864 die Bank von England bei. Die Zahl der Mitglieder — eine Neuaufnahme
ist seit 1864 nicht mehr erfolgt — hat sich von 32 auf 11 vermindert.
Ein Ausbau des englischen Clearing zur heutigen Form ist 1858 erfolgt.
Das Londoner town-clearing verrechnet Schecks auf die in der City ge-
legenen Banken (Umsatz 1936: 35,04 Milliarden £), das 1858 geschaffene
country-clearing Schecks auf Provinzbanken (Umsatz 1936: 3,54 Mil
liarden £]. Jede größere Provinzbank hat in London ihren Vertreter, der
ihre Schecks zum Einzug übernimmt (Vermerk auf dem Scheck: „Bonäon
agent“). Der Austausch findet täglich zwischen 12 und 2 Uhr im Country
Clearing in London statt. Erfolgt nicht innerhalb dreier Geschäftslage
Rücklieferung, so gelten die Schecks als bezahlt.
1907 wurde das metropolitan-clearing gegründet, das Schecks auf etwa
350 Filialen der Clearingbanken außerhalb der City, aber innerhalb eines
weitgezogenen Umkreises verrechnet (Umsatz 1936: 2,04 Milliarden £).
Clearing-Häuser gibt es in Birmingham, Bradford, Bristol, Hüll,
Leeds, Leicester, Liverpool, Manchester, Newcastle, Nottingham und Sheffield.
Nach dem englischen Vorbilde wurden 1883 in Deutschland die Ab-
rechnungs st eilen der Deutschen Reichsbank ins Leben
gerufen. Der Austausch der Schecks, Anweisungen, Wechsel, Domizile usw.
und die Verrechnung zwischen den einzelnen Mitgliedern gestaltet sich bei
der ältesten deutschen Abrechnungsstelle, der in Berlin, folgendermaßen:
Kurz vor 9 Uhr morgens erscheinen im Abrechnungsraum, einem
O. Prausnitz, Die Forderungsverrechnung sAufrechnung, Kontokorrent,
Skontration) in geschichtlicher Entwicklung. Berlin 1928. 50 Jahre Abrech
nungsstellen der Reichsbank. Berlin 1933. Jahresberichte der Abrechnungs
stellen.