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2. Das Diskontgeschäft y
a) ®a§ Diskontgeschäft als Kapitalanlage und als
Kreditgeschäft. Wechselmaterial. Bankdiskont und
Privatdiskont
Diskontieren heißt: Forderungskapital in Geld
kapital verwandeln. In der Sprache der Praxis bedeutet dis
kontieren: Eine noch nicht fällige Forderung verkaufen unter Abzug
von Zinsen, und zwar für die Zeit vom Fälligkeitstage rückwärts gerechnet
bis zum Tage der Veräußerung.
Das Wechseldiskontgeschäft kann für den Käufer der Wechsel eine Kapi
talanlage sein, so insbesondere beim Kauf von „Privatdiskon
ten" — der Käufer geht dann aktiv vor und bestimmt genau die Summe,
in deren Höhe er verfügbares Kapital in Wechseln anlegen möchte; oder
aber das Wechseldiskontgeschäft ist ein reines Kreditgeschäft: Die
Bank kauft ihrem Kunden Wechsel ab, nicht weil sie Kapitalien anzulegen
hat, sondern weil ihr Kunde Kapital benötigt und sich dies durch Diskontie
rung von Wechseln beschaffen will.
Das Diskontgeschäft ist insofern ein Kreditgeschäft, als die Bank
möglicherweise genötigt ist, den Betrag vom Diskontanten zurückzufordern,
nämlich dann, wenn der Wechsel vom Akzeptanten und etwaigen anderen
Wechselverpflichteten bei Verfall nicht bezahlt worden ist. Daher kauft
die Bank nicht jedem Beliebigen Wechsel ab, sondern nur den Firmen oder
Personen, die sie für kreditwürdig erachtet; und sie begrenzt weiter
die Summe, bis zu der sie Wechsel von einem Kunden hereinnimmt (dis
kontiert).
Die Bank hat der Firma L.I. einen Diskontkredit von 50000NM
gewährt, bedeutet also: Die Bank hat sich bereit erklärt, der Firma T. I.
bis zu 50 000 RM Wechsel abzukaufen, wobei für die inzwischen bezahlten
Papiere Wechsel im gleichen Gesamtbeträge wieder neu eingereicht werden
Z S ch r i f t t u m: I. L a n d m a n n, System der Diskontpolitik. Kiel 1900. P.
Loubet, La Banque de France et I’escompte. Paris 1900. von Lumm, Art.
Diskontpolitik im Bank-Archiv, IX. Jahrgang, Nr. 9 ff. G e o r g O b st, Wechsel-
und Scheckkunde. 12. Ausl. Stuttgart 1937. I. P l e n g e, Von der Dis
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deutsche Wechseldiskontgeschäft. Leipzig 1907. Die R eichsbank 1901—1925.
Berlin 1926. F. Schmidt, Der internationale Zahlungsverkehr. Leipzig 1922.