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Wechsel muß als solidester Warenwechsel angesehen werden, und doch haben
schließlich alle drei Wechsel nur dieselbe Ware als Unterlage, als
Wirtschaftsgull
In der Regel wird Wechselkredit nur für kommerzielle Wechsel
(Warenwechsel) gegeben, d. h. für Wechsel, denen eine Warenschuld
zugrunde liegt. Die Diskontierung der Wechsel soll also ein bei ihrem
Verfall wirklich beendetes Geschäft darstellen.
Die Höhe des Diskontsatzes hat erheblichen Einfluß auf das
Wirtschaftsleben eines Volkes. Sie wird bedingt durch allgemeine,
mit der eigenen Volkswirtschaft eng verknüpfte Bestimmungsgründe, wie
Verhältnis des Angebots von Kapital zur Nachfrage, wirtschaftliche Ent
wicklung, Lage der Industrie usw., und durch besondere Gründe, z.B.
Währungsverhältnisse. Hohe Diskontsätze wirken einschränkend auf den
Geldbedarf des Landes und hemmen ungesunde Übertreibungen in Pro
duktion und Handel; andauernd niedrige Diskontsätze sind oft ein Zeichen
geringer wirtschaftlicher Unternehmungslust (gelegentlich in Frankreich).
Bankdiskont ist der von der Zentralnotenbank des Landes für den
Ankauf inländischer Wechsel festgesetzte Zinsfuß.
Privatdiskont nennt man den Zinsfuß, zu dem eine bestimmte
Art von Wechseln („Privatdiskonten") angekauft werden. An die
Beschaffenheit solcher Wechsel, die als erstklassige Geldanlage gelten,
werden besondere Anforderungen gestellt. Die Aussteller müssen erste
Waren- oder Bankfirmen sein, die Wechsel an einem Bankplatz, d. h. einem
Ort, an dem die Deutsche Reichsbank eine Niederlassung hat, fällig sein;
und da sie eine bequeme Kapitalanlage — um eine solche, nicht
um eine Kreditgewährung im üblichen Sinne, handelt es sich hierbei —
darstellen sollen, wird eine gewisse Mindestlaufzeit und ein bestimmter
Mindcstbetrag gefordert. Die Höhe des Privatdiskonts ist wesentlich be
dingt durch Angebot und Nachfrage auf dem Geldmarkt.
Die Neichsbank hatte 1880 für erste Börsenwechsel den Privatsatz eingeführt,
der, leicht beweglich, sich den Geldmarktvcrhältnissen anpassen sollte. Sie wollte
gewisse Wechsel zu einem niedrigeren als dem offiziellen Satz diskontieren, weil
die anderen Banken in Zeiten des billigen Geldstandes einen bedeutenden Teil
des Diskontgeschäftes an sich gerissen hatten und der Reichsbank dadurch der
Überblick über den Geldmarkt verlorengegangen war. Seit 1896 kauft die Neichs
bank Wechsel nur noch zu ihrem Einheitssatz an.