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den großen Schwankungen der Waren-, insbesondere der Roggenpreise,
ergibt sich gerade bei diesen „wertbeständigen" Anleihen für Schuldner
und Gläubiger eine große Ungewißheit darüber, was sie zu zahlen bzw.
zu erhalten haben. Infolgedessen ist ein erheblicher Teil der Sachwert
anleihen vorzeitig zur Rückzahlung gelangt. Wertbeständig geblieben sind
die F e i n g o l d w e r t e, d. h. die Anleihen, die auf (Gramm) Feingold
gestellt sind.
Das Roggenschuldengesetz vom 16. Mai 1934 wandelt alle auf
Roggen oder Weizen lautende Rechte in Reichsmark - Rechte um und
schließt, im Hinblick auf die verhängnisvollen Auswirkungen dieser Beleihungs
art, die Bestellung derartiger Rechte für die Zukunft aus.
Die Kurse der Sachwertanleihen verstehen sich in Stück für die Einheit
der zugrunde gelegten Ware. Eine Berechnung von Stückzinsen findet
nicht statt.
2. Los- und Prämienanleihen
Am Ende des 18. Jahrhunderts entstand eine neue Form amortisabler
Staatsanleihen, die entweder überhaupt keine Zinsen brachten oder nied
rigere als die sonst landesüblichen. Die ersparten Zinsen wurden zur
Bildung von Gewinnen verwendet. Gewinn- und Nennbetrag zusammen wird
Prämie genannt, daher der Name: Los-, Lotterie- oder Prämienanleihen.
Diese Anleihen konnten meist unter günstigeren Bedingungen, d. h. zu
höherem Kurse oder zu niedrigerem Zinsfuß begeben werden, als die
etwa gleichzeitig ausgegebenen anderen Staatsanleihen, da die Möglich
keit, einen hohen Gewinn zu erzielen, bei dem allgemeinen Hang zum
Glücksspiel einen unwiderstehlichen Reiz auf die Käufer ausübte. Sehen
doch die meisten Menschen auf einem Lotterieplan nur die hohen Gewinne
und nicht die überwiegende Mehrzahl der Nieten.
Adam Smith schrieb über das Lotteriespiel in „Natur und Ursachen
des Volkswohlstandes": „Um mehr Aussicht auf Gewinn zu haben, kauft mancher
mehrere ganze Lose oder kleine Anteile einer noch größeren Anzahl, und doch
gibt es keinen Satz in der Mathematik, der sicherer wäre als dieser, daß man
desto mehr verliert, je mehr Lose man hat. Spielt man alle, so ist der Verlust
gewiß, und je mehr Lose man spielt, desto näher kommt man dieser Gewißheit "
Die Losanleihe ist entweder in eine bestimmte Anzahl fortlaufend
numerierter Stücke oder in Serien geteilt, deren jede 10, 20, 25 oder
100 Lose enthält. In diesem Falle findet zuerst eine Serienzichung
statt, der einige Wochen später die G e w i n n z i e h n n g folgt. An dieser