Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
die Bourgeoisie geschaffen hat. Daher muß dieser Geist des Kampfes 
mit allen Mitteln genährt werden, nicht gerade um den Haß zu schüren, 
wohl aber, um die Flamme lebendig zu halten. Dies ist die Aufgabe, die 
Pflicht des Sozialismus. 
Es ist zu bemerken, daß dieser Kampf von nun an als einziges Ziel 
der Tätigkeit des revolutionären Syndikalismus genügt, denn er braucht 
sich jetzt nicht mehr, wie die Sozialisten früherer Zeit, um die Organi 
sation der Arbeit und der Gesellschaft zu kümmern. Alles das ist schon 
vom Kapitalismus, und vom wirtschaftlichen Gesichtspunkte aus sogar 
auf das beste, organisiert. Es ist nur noch nötig, seinen Platz einzu 
nehmen 1 ). 
c) in der Wiederaufnahme der These von der Endkatastrophe, nicht 
mehr unter der Form einer kapitalistischen Krise, sondern unter der des 
Generalstreiks. Gegen diese Taktik sind alle Generäle und alle Bajonette 
der bürgerlichen Klasse ohnmächtig. Was soll gegen die Arbeiter geschehen, 
die, um das ganze soziale Leben zum Stillstand zu bringen, nur die Arme 
zu kreuzen brauchen und gerade dadurch beweisen können, daß nur die 
Arbeit der Schöpfer alles Reichtums ist? Und auch wenn man annimmt, 
daß der Generalstreik sich niemals verwirklichen könne — man scheint 
in dieser Hinsicht ziemlich skeptisch zu sein, — so wird der Begriff doch 
als machtvoller Ansporn, als Mythus, sagt G. Soreij, seinen Einfluß 
nicht verfehlen, ähnlich wie das Erwarten des Millenniums bei den Christen 
der ersten Jahrhunderte. 
Dieses Wort „Mythus“ hat einen glänzenden Erfolg gehabt. Wenig# 
allerdings bei den Syndikalisten selbst, denen es sehr wenig behagtßs 
aber bei den Intellektuellen. Denn reizt es nicht zu einem Lächeln, wenn 
man darauf hinweist, daß diese Auffassung eines ausschließlichen Arbeiter 
sozialismus, der nicht nur antikapitalistisch, sondern ganz ausgesprochen 
antiintellektuell ist, und der „jedes bürgerliche Entgegenkommen mit der 
äußersten Brutalität beantworten soll“, einzig und allein von einer Grupp e 
Intellektueller stammt, deren Geist aufs schärfste geschliffen ist, und die 
sich zu der BERGsoN’schen Philosophie bekennen 2 )? 
Ein Mythus! — Mag das sein; doch sich von einem Mythus leiten 
lassen, ist ungefähr dasselbe, wie, gleich den drei Königen aus dem 
Morgenlande, dem Sterne folgen, oder wie Israel der Rauch- und Feuer- 
*) „Von nun an wird man nicht mehr danach suchen, wie die Menschen sich 
einzurichten haben, um das zukünftige Glück zu genießen; alles besteht in der revo 
lutionären Schulung des Proletariats“ (Sorel, ebenda, Einleitung, S. 37). 
*) Diese Gruppe wird von der Zeitschrift Le Mouvement Socialiste, ( * H! 
Lagardelle leitet, vertreten. Übrigens hat sich Sorel schon vor dem Kriege davon 
zurückgezogen und kämpft jetzt für den „katholischen Nationalismus“. 
Die vor dem Kriege über den Syndikalismus veröffentlichten Untersuchunge 11 
sind sehr zahlreich; wir haben schon auf La Philosophie Syndicaliste von GuV 
Grand hingewiesen.
	        
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