Full text: Geld-, Bank- und Börsenwesen

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andere Börsenbesucher, die ebenfalls in Hapag-Aktien Geschäfte abschließen 
wollen. „°/g Brief" wird geschrien im Börsendialekt, das heißt: Ich bin 
bereit, Hapag-Aktien, zum Kurse von 97 5 / 8 zu verkaufen. Der Börsen 
vertreter der Dresdner Bank wird jetzt vielleicht, in der Erwartung, sie 
noch unter dem Limit zu bekommen, „ s / 8 Geld" rufen, d. h. zum Kurse von 
97 3 / 8 kaufe ich Hapag. Da die Papiere aber niemand zu diesem Kurse 
hergeben will und ein anderer, ein Chef des Bankhauses E. Meyer, jetzt 
„V2 Brief" ruft, sagt der Vertreter der Dresdner Bank: 6 Mille 
von Ihnen. Beide notieren Kurs, Menge, Namen des Kontrahenten 
usw. in ihr Börsennotizbuch; das Geschäft ist abgeschlossen. Nachträglich 
werden Schlußnoten über den mündlich vollzogenen Geschäftsabschluß 
ausgetauscht und von beiden Parteien unterzeichnet. Treu und Glau 
ben sind, wie selten anderswo, die Grund st ützen der 
Börse. Ohne schriftlichen Vertrag, ohne Handschlag, einzig und allein 
durch ein zustimmendes Wort, ein zustimmendes Kopfnicken werden Ge 
schäfte auch in großen Summen abgeschlossen. Erst nach Börsenschluß wird 
die entsprechende Schlußnote ausgestellt. So gut wie nie ist es vorgekom 
men, daß von einem Börsenbesucher hinterher ein Geschäft abgestritten 
worden ist. 
Sind die Hoffnungen des Käufers auf Steigen oder die des Verkäufers 
auf Fallen des Kurses bis zu dem Tage, an dem der Käufer die Effekten 
abzunehmen, bzw. der Verkäufer die Effekten zu liefern hat, nicht oder 
nicht in dem gewünschten Maße in Erfüllung gegangen, so erfolgt 
häufig nicht eine Realisierung, d. h. eine Ausgleichung der Engage 
ments durch Verkauf oder Kauf, sondern eine Prolongation, 
d. h. ein Hinaus s ch i e b e n des Erfüllungstermins auf den nächsten oder 
swas jedoch selten geschieht) auf einen noch späteren Monat. Wirtschaftlich 
ist das Prolongationsgeschäft ein Darlehnsgeschäft. 
Das Reportgeschäft. Die Prolongation könnte in folgenderWeise 
vor sich gehen: A hat Effekten per Ultimo gekauft, also auf ein Steigen der 
Kurse spekuliert (Haussier). Seine Erwartungen sind nicht in Erfüllung 
gegangen. Er hofft aber, daß der Kurs des betr. Papiers im nächsten 
Monat steigen wird. Da er jedoch nicht die Mittel besitzt, die gekauften 
Wertpapiere mit eigenem Gelde abzunehmen, so „schiebt er sein 
Engagement", d. h. er sucht einen Geldgeber, der die Wertpapiere 
für ihn abnimmt, mit der Verpflichtung, sie am nächstfolgenden Ultimo
	        
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