Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

484

andere  Börsenbesucher,  die  ebenfalls  in  Hapag-Aktien  Geschäfte  abschließen
wollen.  „°/g  Brief"  wird  geschrien  im  Börsendialekt,  das  heißt:  Ich  bin
bereit,  Hapag-Aktien,  zum  Kurse  von  97 5 / 8  zu  verkaufen.  Der  Börsenvertreter ­
  der  Dresdner  Bank  wird  jetzt  vielleicht,  in  der  Erwartung,  sie
noch  unter  dem  Limit  zu  bekommen,  „ s / 8  Geld"  rufen,  d.  h.  zum  Kurse  von
97 3 / 8  kaufe  ich  Hapag.  Da  die  Papiere  aber  niemand  zu  diesem  Kurse
hergeben  will  und  ein  anderer,  ein  Chef  des  Bankhauses  E.  Meyer,  jetzt
„V2  Brief"  ruft,  sagt  der  Vertreter  der  Dresdner  Bank:  6  Mille
von  Ihnen.  Beide  notieren  Kurs,  Menge,  Namen  des  Kontrahenten
usw.  in  ihr  Börsennotizbuch;  das  Geschäft  ist  abgeschlossen.  Nachträglich
werden  Schlußnoten  über  den  mündlich  vollzogenen  Geschäftsabschluß
ausgetauscht  und  von  beiden  Parteien  unterzeichnet.  Treu  und  Glauben ­
  sind,  wie  selten  anderswo,  die  Grund  st  ützen  der
Börse.  Ohne  schriftlichen  Vertrag,  ohne  Handschlag,  einzig  und  allein
durch  ein  zustimmendes  Wort,  ein  zustimmendes  Kopfnicken  werden  Geschäfte ­
  auch  in  großen  Summen  abgeschlossen.  Erst  nach  Börsenschluß  wird
die  entsprechende  Schlußnote  ausgestellt.  So  gut  wie  nie  ist  es  vorgekommen, ­
  daß  von  einem  Börsenbesucher  hinterher  ein  Geschäft  abgestritten
worden  ist.
Sind  die  Hoffnungen  des  Käufers  auf  Steigen  oder  die  des  Verkäufers
auf  Fallen  des  Kurses  bis  zu  dem  Tage,  an  dem  der  Käufer  die  Effekten
abzunehmen,  bzw.  der  Verkäufer  die  Effekten  zu  liefern  hat,  nicht  oder
nicht  in  dem  gewünschten  Maße  in  Erfüllung  gegangen,  so  erfolgt
häufig  nicht  eine  Realisierung,  d.  h.  eine  Ausgleichung  der  Engagements ­
  durch  Verkauf  oder  Kauf,  sondern  eine  Prolongation,
d.  h.  ein  Hinaus  s  ch  i  e  b  e  n  des  Erfüllungstermins  auf  den  nächsten  oder
swas  jedoch  selten  geschieht)  auf  einen  noch  späteren  Monat.  Wirtschaftlich
ist  das  Prolongationsgeschäft  ein  Darlehnsgeschäft.
Das  Reportgeschäft.  Die  Prolongation  könnte  in  folgenderWeise
vor  sich  gehen:  A  hat  Effekten  per  Ultimo  gekauft,  also  auf  ein  Steigen  der
Kurse  spekuliert  (Haussier).  Seine  Erwartungen  sind  nicht  in  Erfüllung
gegangen.  Er  hofft  aber,  daß  der  Kurs  des  betr.  Papiers  im  nächsten
Monat  steigen  wird.  Da  er  jedoch  nicht  die  Mittel  besitzt,  die  gekauften
Wertpapiere  mit  eigenem  Gelde  abzunehmen,  so  „schiebt  er  sein
Engagement",  d.  h.  er  sucht  einen  Geldgeber,  der  die  Wertpapiere
für  ihn  abnimmt,  mit  der  Verpflichtung,  sie  am  nächstfolgenden  Ultimo
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.