Metadata: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1868-1883 / [hrsg. von D. Rjazanov] (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 4)

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(1364) 1870 April 28 
(364. Marx. an Engels; 1870 April 28. 
28. Avril 1870. 
Dear Fred.. 
Ich war gestern wieder bei Schapper. Ich fear he is fast sin- 
king. Er selbst sprach von seinem Tod als einer abgemachten 
Sache, erzählte mir sogar, er habe seiner Frau verordnet, ihn 
nächsten Sonntag begraben zu lassen. Es ist Lungenschwindsucht. 
Schapper sprach und benahm sich wirklich d’une maniere di- 
stinguge. Solange seine Frau und ältester Junge im Zimmer, führte 
ar die Konversation (er kann nur mühsam sprechen) französisch. v 
Je ferai bientöt la derniere grimace. Er mokierte sich über den 
alten Oberski, der seit den letzten Monaten katholizisiert und betet, 
ditto über Ruge, der wieder an die Unsterblichkeit der Seele 
glaubt. In diesem Fall, sagte er, würde die Seele Schapper die 
Seele Ruge im Jenseits holzen. Es machte ihm Vergnügen, über die 
alten Geschichten, Zusammensein mit L[ouis] Bonaparte, Dr. 
Conneau, Persigny, G. Cavaignac etc., später Willich usw. Witze 
zu machen. Es beruhigte ihn, daß seine Tochter verheiratet, sein 
ältester Junge Karl selbständig (Buchbinder), die zwei Kleinen 
jeder bereits 1 £ per week (Goldschmiede) verdient. Den Jüng-e 
sten, hoffte er, werde sein Bruder (Nassau) zu sich nehmen. Sei- 
ner Frau habe er sein weniges Hab alles vermacht, und sie werde 
mit den zwei kleinen Jungen zusammenleben. „Sag allen unsren 
Leuten, daß ich den Prinzipien treu geblieben. Ich bin kein Theo- 
retiker. Während der Reaktionszeit hatte ich genug damit zu tun, % 
meine Familie aufzubringen. Ich habe gelebt als hardworking 
Arbeiter und sterbe als Proletarier.“ Ich grüßte ihn von Dir und 
sagte, wenn Du geglaubt, daß die Sache gefährlich sei, wärst Du 
herübergekommen, um ihn zu sehn. Das machte ihm offenbar 
Freude. Schapper ist 57 Jahre alt. Das wirklich Männliche an sei- % 
nem Charakter tritt jetzt wieder klar und frappierend hervor. 
Von Schapper hinweggehend hatte ich eine zweite Kranken- 
visite zu machen. Borkheim hatte mir vorgestern geschrieben, paar 
Zeilen, er sei ganze Woche krank zu Haus gewesen, werde wohl 
noch eine Woche liegen müssen, dann aufs Land etc. Ich sah gleich # 
an der Art, wie seine Frau mich empfing, daß die Sache serieux. 
Er hatte Typhusfieber; scheint jetzt auf Weg der Besserung. Seine 
Lunge ist unbedingt angegriffen. Der englische Arzt — einer der 
hiesigen Hospitalärzte — hat alles vorausgesagt und wiederholt 
jetzt, daß er hofft; fast sicher ist, daß er diesmal davonkommen « 
wird, daß aber, wenn Borkheim sein tolles Leben nicht aufgibt, er 
kein Jahr mehr zu konsumieren hat. 
Die Sache ist nämlich, daß B[orkheim] von Morgens */25 oder 
5—9 Russisches ete. mit Wut treibt und von 7 Uhr Ahbends
	        
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