Metadata : Entwickelungstendenzen im Aussenhandel Chinas und Japans

950  Sektion  VII:  Die  weltwirtschaftlichen  Beziehungen  Deutschlands.

Alle  diese  Betrachtungen  führen  uns  also  zu  dem  Ergebnis,  dass  wir
bei  der  Vergleichung  verschiedener  Zeiten  sehr  vorsichtig  sein  müssen,
und  dass  die  bekannten  Zahlen  alle  nur  Minimalzahlen  sind.
H.
Bei  aller  Vorsicht  in  der  Verwendung  der  Zahlen  ergeben  sich  aber
doch  gewisse  unbezweifelbare  Ergebnisse.  Der  Aussenhandel  jener
Länder  hat  zugenommen,  aber  der  Japans  viel  rascher  als  der  Chinas.
Vom  Ende  der  achtziger  Jahre  (die  früheren  Zahlen  sind  zu  schlecht
vergleichbar)  bis  1898  nehmen  die  Werte  der  chinesischen  Ein-  und
Ausfuhr,  in  Qold  ausgedrückt,  kaum  zu.  Erst  1899  macht  China  einen
grossen  Sprung  vorwärts,  der  durch  die  nordchinesischen  Wirren  1900
gehemmt  wird,  aber  alsbald  beginnen  die  Zahlen  wieder  ihre  Aufwärtsbewegung. ­
  Jedoch  nimmt  die  Einfuhr  viel  schneller  zu,  als  die  Ausfuhr,
in  Japan  beginnt  der  Aufschwung  mit  der  Aufnahme  der  Barzahlungen.
1886,  erst  langsam,  dann  nach  dem  chinesischen  Kriege  mit  Riesenschritten ­
  vorwärts  gehend,  wobei  auch  die  Ausfuhr  von  der  Einfuhr
überholt  wird,  wenn  auch  nicht  so  stark,  wie  in  China.  Die  Folge  dieses
verschiedenen  Tempos  in  der  Zunahme  des  Aussenhandels  beider  Länder ­
  ist,  dass  das  so  viel  kleinere  Japan  dem  grossen  Nachbarn  rasch  aufgerückt ­
  ist.  Mitte  der  siebziger  Jahre  sind  die  chinesischen  Zahlen  noch
viermal  so  gross,  wie  die  japanischen,  1892  noch  mehr  als  doppelt  so
gross.  In  den  letzten  Jahren  sind  die  japanischen  Ausfuhrwerte  den
chinesischen  fast  gleich,*)  während  die  Einfuhr  nach  China  noch  um
170—225  Millionen  Mark  höher  ist,  als  die  nach  Japan  (gleich  29  bis
36  Prozent).
So  bemerkenswert  es  ist,  dass  die  Zahlen  Japans  so  gestiegen  sind,
müssen  wir  uns  doch  vor  den  heute  beliebten  Übertreibungen  hüten.
Auch  heute  noch  gehören  weder  China  noch  Japan  zu  den  wichtigsten
Welthandelsgebieten.  Sie  stehen  weit  zurück  hinter  den  zehn  grossen
Welthandelsgebieten  (den  sechs  europäischen  Grossmächten,  den  Niederlanden, ­
  Belgien,  den  Vereinigten  Staaten,  Britisch-Indien).  Auch
von  Canada,  vom  Australischen  Bund  werden  sie  übertroffen.  Sie  gehören ­
  etwa  in  eine  Grössenklasse  mit  der  Schweiz,  mit  Spanien,  mit
Schweden  und  Argentinien.
Besonders  zu  beachten  ist  das  bei  China.  Mögen  wir  dessen  Bevölkerung ­
  auf  250  oder  450  Millionen  schätzen:  immer  ist  die  Beteiligung ­
  Chinas  am  Welthandel  äusserst  gering  im  Verhältnis  zur  Bevölkerung. ­
  Gegenüber  der  landläufigen  Redensart  von  den  Reichtiimern

’)  Namentlich  wenn  man  den  Verkehr  mit  Formosa  einbezieht.
            
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