Die wirtschaftlichen Folgen der Rapitalknappheit J39
Zum Kommunismus bedeuten, und der steht zunächst hier nicht zur
Debatte. Der wissenschaftliche Sozialismus hat sich bisher immer
energisch gegen die Behauptung gewehrt, er wolle die Familie zer
stören — freilich ohne diese Behauptung so ganz entkräften zu
können.
Neben der Kleinheit des lokalen Marktes ist es noch ein zweiter
Umstand, der heute auf den technischen Fortschritt und den Übergang
zum Großbetrieb hemmend und retardierend einwirkt. Vas ist die
Knappheit des Kapitals. Damit kommen wir zugleich zu
einer dritten Erscheinung, auf die sich die Anklage des Sozialismus
von der wirtschaftlichen Inferiorität des heutigen Wirtschaftssystems
stützt, von Sozialisten wird der heutigen Wirtschaftsordnung sehr oft
zum Vorwurf gemacht, daß durch die Einrichtung des Kapitalzinses
zugleich eine Schranke für die Einführung arbeitsparender Produk
tionsmethoden errichtet sei. Und das ist ja an sich vollkommen rich
tig. Der Unternehmer, der vor die Frage der Einführung einer
neuen Maschine gestellt ist, kann nicht bloß fragen, ob durch die Ma
schine Arbeit gespart wird, sondern er muß fragen, ob die Maschine
für ihn auch rentabel ist, ob sie einen so großen Gewinn abwirft,
daß für ihn mindestens der landesübliche Zins herausspringt. Ma
schinen und andere technische Erfindungen, bei denen die durch sie
erzielbaren Krbeitsersparnisse nicht so groß sind, daß die Maschine
auch für den Unternehmer rentabel wird, bleiben heute von der
Anwendung in der Praxis regelmäßig ausgeschlossen. Dieses vor
herrschen des Uentabilitätsgesichtspunktes stellt der Sozialismus gern
als einen schweren wirtschaftlichen Fehler der heutigen Wirtschafts
ordnung hin, und er lobt dafür sein soziales System, das von diesem
Mangel frei sei und nicht durch die Schranke, die der Kapitalzins auf
gerichtet hat, an der Ausnutzung von Erfindungen irgendwie ge
hindert werde, sondern jede Erfindung, die auch nur die kleinste Ar
beitsersparnis verspreche, sofort in der Praxis einführen könne.
In Wahrheit vermag aber der Sozialismus an der Lage der
Dinge in dieser Beziehung gar nichts zu ändern. Auch für den Sozia-