Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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II,  3,  A.  Die  Leistungsfähigkeit  des  Individualismus

Verschlechterung,  sondern  zur  Verbesserung  der  Lage  der  Arbeitenden
ist  der  Sozialismus  doch  wohl  ersonnen  worden.
Auch  in  einer  sozialistischen  Gesellschaft  kann  also  der  Übergang
zu  neuen  Produktionsmethoden  nur  allmählich,  nur  in  dem  Maße,
wie  die  Kapitalvermehrung  ohne  allzu  fühlbare  Einschränkung  des
Konsums  sich  durchführen  läßt,  erfolgen.  Das  heißt  aber,  die  sozialistische ­
  Gesellschaft  hat  auch  auf  diesem  Gebiete  nichts  vor  der  heutigen ­
  Wirtschaftsordnung  voraus.
Und  zugleich  erhellt  hieraus:  Solange  das  Kapital  knapp  ist,  ist
es  nicht  wirtschaftlich,  irgendwelche  beliebigen  arbeitsparenden  Erfindungen ­
  in  der  Praxis  zur  Anwendung  zu  bringen,  sondern  es
müssen  diejenigen  ausgesucht  werden,  die  den  größten  Ertrag  in
Aussicht  stellen.  Diese  ausfindig  zu  machen,  gelingt  aber  heute  sehr
einfach  mit  Hilfe  der  Institution  des  Kapitalzinses.  Das  Vorhandensein ­
  des  Zinses,  die  Notwendigkeit  für  den  Unternehmer,  bei  der
Berechnung  seiner  Produktionskosten  einen  Zins  für  das  von  ihm
gebrauchte  Kapital  einstellen  zu  müssen,  wirkt  gleichsam  automatisch ­
  darauf  hin,  daß  alle  diejenigen  Kapitalverwendungen  unterbleiben, ­
  bei  denen  die  wirtschaftlichen  Vorteile,  die  sie  bieten,  unter
einer  gewissen  Grenze  sich  halten.  Man  kann  also  ruhig  zugeben:
durch  die  Einrichtung  des  Zinses  wird  heute  die  Einführung  von
manchen  arbeitsparenden  Maschinen  und  anderen  Produktionsvorteilen ­
  unmöglich  gemacht,  darin  liegt  aber  nichts  Unwirtschaftliches,
es  wird  dadurch  nicht  die  Entwicklung  des  Wirtschaftslebens  zur
höchsten  Stufe  der  Technik  künstlich  aufgehalten,  sondern  im  Gegenteil, ­
  es  ist  im  höchsten  Grade  wirtschaftlich.  <£5  verhindert,  daß
Kapital  in  solchen  Verwendungen  angelegt  wird,  in  denen  es  nicht
soviel  Nutzen  zu  stiften  vermag  wie  in  anderep.  Solange  noch  Knappheit ­
  an  Kapital  besteht,  solange  das  vorhandene  Kapital  nicht  ausreicht, ­
  um  alle  Anlagemöglichkeiten  zu  berücksichtigen,  in  denen  die
Verwendung  von  Kapital  überhaupt  noch  einen  Nutzen  verspricht,
wird  es  im  Interesse  jeder  Gesellschaftsordnung  liegen,  daß  so  verfahren ­
  wird.  Die  unserer  Wirtschaftsordnung  so  oft  zum  Vorwurf
            
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