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II, 3, B. Die Leistungsfähigkeit des Sozialismus
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die in der kapitalistischen Produktionsweise hierfür üblich sind und
die vom Sozialismus so heftig verurteilt werden wie: straffe Diszi
plin, Akkordlöhnung, Taylorsystem usw.")
Man möge sich auch nicht einbilden, solche Ergebnisse wie in
Rußland könne bei uns eine Sozialisierung nicht erzielen. Durch j
das, was wir in den letzten Monaten erlebt haben, sollte doch
nun allen zur Genüge klar geworden sein, daß wir gar keinen
Anlaß haben, uns in irgendeiner Beziehung etwas Besseres zu dün
ken als andere Völker! Die Psyche des Deutschen ist im Grunde keine
andere wie die des Russen oder die der Angehörigen anderer Völker.
Andere glauben, den Gefahren, die der Wirtschaftlichkeit von der
Verstaatlichung drohen, dadurch zu entgehen, daß sie sagen, die So
zialisierung bedeute gar keine Verstaatlichung im alten Sinne des
Wortes. Sozialisierung sei etwas ganz anderes als Verstaatlichung,
wer wird sich aber durch solche Wortmaskeraden täuschen lassen? Die
entscheidende Tatsache wird dadurch doch nicht aus der Welt geschafft,
daß in den „Selbstverwaltungskörpern", die man errichten will, nicht
mehr die private Initiative des Unternehmers, der für eigene Rech
nung prodttziert, maßgebend ist, sondern öffentliche Funktionäre das
entscheidende Wort führen.
Max Weber hat kürzlich den Gegensatz, um den es sich bei der
Stellung der Betriebsleiter von privaten und öffentlichen Unter
nehmungen handelt, treffend folgendermaßen gekennzeichnet: „Der
autonome Unternehmer ist ein Prämienlohnarbeiter für kvrgani-
sationszwecke, der Beamte aber ein Zeitlohnarbeiter, und zwar im
Gegensatz zum Arbeiter ein solcher ohne stetige Auslese nach der Lei
stung. Der erste wirtschaftet eigenverantwortlich, der andere auf Ri
siko des Staatssäckels. Demgemäß ist die Arbeiterschaft, mag sie für
sich selbst zum Prämienlohnsystem stehen, wie sie will, daran nicht
41) Noch der Schrift, „Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht", die
Lenin kürzlich veröffentlicht hat, scheint man in der Tat in Rußland jetzt
den zweiten weg einzuschlagen und alle Einrichtungen, die man erst be
kämpft hat, wieder einzuführen.