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,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung 1
ihn als „auf einem Plateau befindlich“ beurteilen, ist dabei von dem
ganzen übrigen Zusammenhang abstrahiert. Der Berg ist dann einfach
in eine rein gedankliche Verbindung mit allen anderen „auf
einem Plateau befindlichen“ Bergen gebracht worden. Wie in diesem
Falle, ist es überhaupt der Erfolg dieser arthaften Urteile, daß sie die
Zugehörigkeit des Konkretums zu einer Unterart des Stammbegriffes
bejahen oder auch verneinen. Auch das Urteil: „dieser Berg ist hoch“,
unterstellt das Konkretum der Unterart der „hohen Berge“. Nur lassen
sich diese „quantitativen“ Urteile auch in zahlenmäßiger Schärfe fällen,
indem unser theoretisches Denken eingreift, eine Einheit, eine Skala
wählt; und dieser gegenüber vollzieht sich dann jener Vergleich,
der überhaupt sämtlichen Urteilen über die Artung unterliegt.
Über die arthaften Urteile hinweg führt der Weg zur Erfassung
der Eigenart, sofern man diese im buchstäblichen Sinne meint.
Sie ist dann erfaßt, sobald das Konkretum einer Unterart des Stamm
begriffes zugesprochen wird, von der wir annehmen dürfen, daß ihr
einziges Exemplar mit dem Konkretum selber vorliegt. Wenn
jedes arthafte Urteil, dem logischen Erfolg nach, den Stammbegriff
determiniert, so wäre in diesem Falle die extreme Deter
mination des Stammbegriffes eingetreten. Vom Standpunkte
des praktischen Denkens aus gilt uns übrigens die Eigenart schon
dann als erfaßt, sobald die Determination des Stammbegriffes zu einer
Unterart geführt hat, die uns als solche nicht mehr geläufig ist; die
also gleichsam schon des klassifikatorischen Wertes entbehrt. Wo es
uns im Umkreise des gewöhnlichen Lebens auf das Besondere ankommt,
orientieren wir uns mit Vorliebe an der so erfaßten Eigenart der
Dinge; und um so lieber, weil dabei unser anschauliches Vorstellen —
die bildhaften Erinnerungen — in der glücklichsten Weise unserem
begrifflichen Denken sekundiert.
Die extreme Determination des Stammbegriffes tritt früher oder
später ein, je nach der Natur der determinierenden Urteile. Ließ sich
unser Berg als „Kalkberg“ bestimmen, dann mag er nacheinander als
„weißer“, als „spitzer“, als „schroffer“ bestimmt werden, ohne daß wir
seiner Eigenart wesentlich näher kommen; die letzteren Bestimmungen
sind eben auf „naturgesetzliche“ Beziehungen hin der Bestimmung als
„Kalkberg“ beigeordnet. Könnten wir aber den „Kalkberg“ außer
dem als „Kuppelberg“ bestimmen, dann wären wir der Eigenart dieses
Konkretums beträchtlich näher gekommen, was sich offenkundig wieder
aus den „naturgesetzlichen“ Beziehungen erklärt. In ganz anderer Art
wieder führt die quantitative Bestimmung, sobald sie zahlenmäßig
präzis geliefert wird, in einem einzigen Schritte nahe an die extreme