Full text: Kapitalismus und Sozialismus

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l, 3. Unternehmung und Produktivgenossenschaft 
werken, die bis dahin gemeinsam mit den anderen gearbeitet hatten, 
die Fortsetzung der eigenhändigen Mitarbeit unmöglich oder un 
bequem, sie wollten aber dennoch auch weiterhin am Ertrage des 
Bergwerks teilhaben. Solche Anlässe, durch welche manche aus den 
Kreisen der mitarbeitenden Gewerken herausgezogen wurden, be 
standen in Veränderungen der wirtschaftlichen Lage, Auswande 
rung, Erbgang u. dgl. mehr, vor allem kam auch der Fall häu 
figer vor, daß Gewerken ihre Bergwerksanteile auf Töchter ver 
erbten. Während in diesem Falle die Kapitalisten aus dem Stande 
der arbeitenden Gewerken hervorgingen, beruht der zweite Anlaß 
zur Anwendung des Kostvertrags und damit zur Trennung von 
Kapital und Arbeit auf dem durch die Einführung des Stollenbaus 
in jener Zeit stark gesteigerten Kapitalbedarf des Bergbaus. Um 
das zur Anlegung von Stollenbauten, Schächten, Pumpwerken usw. 
erforderliche Kapital aufzubringen, reichte die eigene Kapitalkraft 
der Gewerken nicht aus. Man mußte dazu Kapital auch aus nicht 
bergmännischen Kreisen heranziehen. Und zwar geschah das eben 
in der Weise, daß Kapitalisten Anteil am Ertrage des Bergbaus 
gewährt wurde, wofür sie sich verpflichten mußten, regelmäßige 
Zahlungen zur Herstellung der erforderlichen Bergwerksanlagen zu 
leisten. 
Durch die Ausbreitung des Kostvertrags in diesem Sinne ist all 
mählich der produktivgenossenschaftliche Eharakter der alten Ge 
werkschaft zerstört worden, und schließlich ist unter Benutzung ver 
schiedener Zwischenformen, wie vor allem der Lehnschaft und der 
Teilmiete, an die Stelle der genossenschaftlichen Gewerkschaft überall 
Unternehmertum und Lohnarbeit getreten. Im Bergbau des Harzes 
findet sich Lohnarbeit schon seit dem l2. Jahrhundert in größerem 
Umfange, in den übrigen deutschen und den österreichischen Berg 
baubezirken datiert ihr Überwiegen etwa seit dem 15. Jahrhunderts) 
Das Vorkommen produktivgenossenschaftlicher Grganisationsfor- 
men im Bergbau ist also eine Erscheinung primitiver, noch wenig 
3) Alle diese Angaben nach Bernhard, a. a. ®., passim.
	        
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