Full text: Kapitalismus und Sozialismus

Kritik an der Einkommensverteilung 
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Vicht dagewesenes Anschwellen der Arbeitslosigkeit gebracht. Damit 
ist auch für die sozialistische Bewegung ein überaus günstiger Nähr 
boden geschaffen worden. Und nehmen wir dazu noch die ungeheure 
seelische Erschütterung, die alle Völker durch den Krieg erfahren 
haben — Blutopfer in der höhe von vielleicht 8 bis 10 Nlillionen 
blühender Menschenleben und gewaltige Verluste im Stande des Volks 
vermögens können doch nicht spurlos an dem geistigen Zustand der 
Menschheit vorübergehen —, so haben wir eine mehr als ausreichende 
Erklärung dafür, weshalb die seelische Disposition für den Sozialis 
mus in unserer Zeit so ungeheuer gewachsen ist. Lin großer Teil 
ber Menschheit glaubt in seiner Verzweiflung in ihm den Aus 
weg zu sehen, der sie aus allen Nöten der Gegenwart herausführen 
kann. In Wahrheit ist aber durch die Nöte der Gegenwart die 
Tage der Dinge gegenüber dem Sozialismus keine andere geworden, 
als sie es früher auch war. Das wird sich klar ergeben, wenn wir 
die sozialistischen Anklagen gegen die bestehende Wirtschaftsordnung 
der Neihe nach etwas näher auf ihre Unterlagen prüfen, sowie vor 
allem auch die wirtschaftlichen Wirkungen des Sozialismus selbst 
einer Betrachtung unterziehen. 
1. Die sozialistische Kritik des arbeitslosen 
Einkommens. 
An der Einkommensverteilung in der gegenwärtigen Wirtschafts 
ordnung kann unter sehr verschiedenen Gesichtspunkten Kritik ge 
übt werden. Am häufigsten wohl wird ihr der Vorwurf gemacht, 
daß sie zu einer schwächeren Besetzung der mittleren Linkommens- 
stufen führe. Ihr Kennzeichen sei, daß auf der einen Seite große 
Proletariermassen mit niedrigem Einkommen sich anhäufen, wäh 
lend auf der anderen Seite ein immer größer werdender Teil des 
Polkseinkommens auf die Millionäre entfalle. Die Verbindung zwi 
lchen oben und unten dagegen, die Schicht mit mittlerem Einkommen, 
werde immer schwächer. Nun lassen sich zwar die Sozialisten auch 
diesen Angriffspunkt gegen die heutige Wirtschaftsordnung nicht gern
	        
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