Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

nahmslos, als ob für Morgan alles erledigt sei, daß 
Perkins im ersten Augenblick nicht recht wußte, was 
er sagen sollte. Morgan wandte sich wieder seinem 
Schreibtisch zu und begann zu arbeiten — für ihn war 
die Sache tatsächlich erledigt. 
Als Dr. Rainsford, der langjährige Pfarrer der 
St. Georgs-Kirche, deren Gemeindemitglied Morgan 
war, ihn aufsuchte und ihm einen Plan vorlegte, in der 
Pfarre eine groß angelegte Wohltätigkeitsarbeit zu 
beginnen, hörte ihm Morgan schweigend zu, warf 
kaum ein Wort dazwischen. Dann sagte er in seiner 
kurzen, brüsken Weise: „Fangen Sie an, sehen Sie, 
wie weit Sie mit Ihrem Geld kommen. Bringen Sie mir 
jedes Halb- oder Vierteljahr eine Aufstellung, ich werde 
für jedes Defizit aufkommen.” 
Auf diese Weise begann eine der einflußreichsten 
Pfarrorganisationen ein philanthropisches und erziehe- 
risches Werk, das wohl in der ganzen Welt seines- 
gleichen sucht 
Derartige Schenkungen teilte Morgan in seiner 
stets schnell entschlossenen und kurz angebundenen 
Art dauernd aus. Er posierte niemals als Geber. Es 
ist menschlich, sich viel mit dem dankbaren Emp- 
fänger von Geschenken abzugeben, es ist menschlich, 
sich selbst an seiner Großmut und Großzügigkeit zu 
erbauen — jeder, der einem Bettler einmal 5 Pfennig 
geschenkt hat, kennt wohl dieses Gefühl. Aber 
Morgan ist in vielen derartigen Beziehungen zu 
seinen Mitmenschen gänzlich unpersönlich geblieben. 
Er scheint mehr Gefühl für seine Würde als für die 
Anschauungen seiner Mitmenschen gehabt zu haben, 
und hierin ging er, wie in vielen anderen Charakter- 
1-4 
Pas] x
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.