Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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11,1.  Das  arbeitslose  Einkommen

entgehen,  allein  die  spezifisch  sozialistische  Kritif  an  der  gegenwärtig
herrschenden  Einkommensverteilung  ist  das  nicht.  Die  Kritik,  dio
der  eigentliche  Sozialismus  an  der  heutigen  Einkommensverteilung
übt,  geht  von  ganz  anderen  Gesichtspunkten  aus.  In  ihrem  Mittelpunkte ­
  steht  die  Frage,  ob  das  Einkommen  auf  Arbeit  beruht
oder  nicht,  und  alles  arbeitslose  Einkommen  wird  von  ihr  für  unverdient ­
  und  sittlich  unberechtigt,  für  einen  Raub  am  Arbeitserträge
anderer,  erklärt.  Gb  sich  das  arbeitslose  Einkommen  dabei  auf  eine
große  oder  eine  kleine  Zahl  von  Köpfen  verteilt,  das  ist  nach  sozialistischer ­
  Auffassung  im  Grunde  ziemlich  belanglos.  Eine  Anhäufung ­
  des  arbeitslosen  Einkommens  in  den  Händen  einiger  weniger
Millionäre  ist  nach  ihr  sogar  eher  als  das  kleinere  Übel  anzusehen.
Zu  diesem  Standpunkte  bekennt  sich  z.  B.  der  deutsche  Sozialist
Eduard  Bernstein.  „Gb  das  gesellschaftliche  Mehrprodukt",  so
schreibt  er  einmal,  „von  10  000  Personen  monopolistisch  aufgehäuft
oder  zwischen  einer  halben  Million  Menschen  in  abgestuften  Mengen ­
  verteilt  wird,  ist  für  neun  oder  zehn  Millionen  Familienhäupter,
die  bei  diesem  Handel  zu  kurz  kommen,  prinzipiell  gleichgültig.  Ihr
Bestreben  nach  gerechterer  Verteilung  oder  nach  einer  Organisation,
die  eine  gerechtere  Verteilung  einschließt,  braucht  darum  nicht  minder ­
  berechtigt  und  notwendig  zu  sein.  Im  Gegenteil.  Es  möchte
weniger  Mehrarbeit  kosten,  einige  tausend  Privilegierte  in  Üppigkeit ­
  zu  erhalten,  wie  eine  halbe  Million  und  mehr  in  unbilligem
Wohlstand."
Zweifellos  wird  nun  in  der  heutigen  Wirtschaftsordnung  in  sehr
großem  Umfange  Einkommen  bloß  auf  Grund  von  Besitzrechten,
Nicht  auf  Grund  von  geleisteter  Arbeit  bezogen.  Genau  feststellen
läßt  sich  der  Bruchteil  des  Gesamteinkommens,  der  heute  als  arbeitsloses ­
  Einkommen,  insbesondere  als  Zinsen-  und  Grundrenteneinkommen ­
  bezogen  wird,  allerdings  nicht.  R.  E.  Map  schätzte  das
Zinseinkommen  für  das  Deutsche  Reich  auf  %  bis  %  des  Volkseinkommens, ­
  das  von  ihm  für  1907  auf  rund  40  Milliarden  Mark
angenommen  wurde.  Auf  sozialistischer  Seite  schätzt  man  den  An-
            
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