Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Die  Unentbehrlichkeit  des  Zinses

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der  Frage  der  Notwendigkeit  des  Zinses  an  sich,  und  also  zunächst
die  Frage  auswerfen,  ob  auch  eine  nach  kollektivistischen  Grundsätzen
eingerichtete  sozialistische  Gesellschaft  in  der  Weise,  wie  es  heute  geschieht, ­
  bei  der  Preisbildung  der  waren  einen  besonderen  Preis  für
die  Nutzung  des  Napitals  zu  erheben  genötigt  sein  würde.  Diese
Trage  ist  nun  entschieden  zu  bejahen.  Auch  eine  sozialistische  Gesellschaft ­
  dieser  Art  kommt  nicht  ohne  die  Erhebung  eines  Zinses
aus.  Sobald  der  sozialistische  Staat  seinen  Bürgern  Freiheit  des
Konsums  gewährt,  und  die  Hauptoertreter  des  wissenschaftlichen  Sozialismus ­
  haben  ja  im  Unterschiede  von  den  eigentlichen  Kommunisten
  erklärt,  an  der  Einrichtung  der  Freiheit  des  Konsums  festhalten ­
  zu  wollen,  wird  die  Erhebung  eines  Zinses  nach  dem  Maße,
wie  bei  der  Herstellung  der  einzelnen  Güter  Kapital  gebraucht
wird,  zur  unumgänglichen  Notwendigkeit.  Auch  der  sozialistische
8taat  kommt  dann  mit  einer  Berechnung  der  Güterpreise  bloß  nach
den  Arbeitskosten  nicht  aus,  er  kann  beispielsweise  die  Mietpreise
der  Wohnungen  nicht  in  der  weise  festsetzen,  daß  durch  die  Mieten  nur
die  jährlichen  Unterhaltungskosten  der  Häuser  und  ihre  Abnutzung
gedeckt  werden,  auf  einen  Zins  für  das  in  den  Häusern  steckende  Kapital ­
  dagegen  verzichtet  wird.
herrscht  in  einer  Wirtschaftsordnung  Freiheit  des  Konsums  in
dem  früher  erläuterten  Sinne  (f.  S.  12),  verzichtet  also  der  Staat
daraus,  die  Nachfrage  mit  dem  Angebot  auf  andere  weise  als  nur
durch  den  Druck  der  Preisbildung  zur  Übereinstimmung  zu  bringen,
so  muß  bei  der  Bildung  der  Warenpreise  für  jeden  Bestandteil  der
Produktionskosten,  der  aus  selbständigen  Gründen  knapp  ist  im  Verhältnis ­
  zum  Bedarf,  auch  ein  besonderer  Preiszuschlag  gemacht  werden. ­
  Vas  trifft  aber  für  das  Kapital  ebenso  zu  wie  für  die  Arbeit.
Das  Angebot  von  Kapitalnutzungen  ist  immer  nur  beschränkt  vorhanden, ­
  es  hat  noch  nie  ausgereicht,  um  gleichzeitig  alle  Fälle,  wo
an  sich  das  Kapital  mit  Nutzen  verwertet  werden  könnte,  zu  berücksichtigen. ­
  Diese  beständige  Knappheit  des  Kapitals  geht  aber  auf
ihre  eigenen,  besonderen  Ursachen  zurück.  Das  Kapital  ist  nicht  nur
Pohle,  Uapltalismus  und  Sozialismus,  2.  lluji.  7
            
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