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Dr. M. J. Bonn.
andern Ländern verzichten, obwohl es alle diesen eingeräumten Ver
tragsvorteile ohne weiteres dem Mutterlande zu bewilligen bereit ist.
Dieses Bestreben der «Kolonien», ihre eigenen Handelsverträge
abzuschließen, ist ein deutliches Kennzeichen dafür, daß sie nicht
nur das Bewußtsein einer eigenen nationalen Persönlichkeit in sich
tragen, sondern auch den Wunsch hegen, diese Persönlichkeit völker
rechtlich so weit zum Ausdruck zu bringen, als es ihre Interessen
verlangen. De: Abschluß solcher Handelsabkommen und Verträge
erfolgt zwar durch die britische Gesandtschaft bezw. Botschaft, da
die Kolonien keine diplomatischen Vertretungen besitzen; es wer
den dieser aber bereits koloniale Vertreter zur Erledigung der
materiellen Fragen beigesellt.
Noch stärker tritt das Bestreben der Tochtervölker nach völliger
Autonomie in ihrem Trachten zutage, eine eigene Flotte zu schaffen.
Man wird diesem Bestreben nicht gerecht, wenn man es bloß als
einen Versuch betrachtet, das koloniale Weltenschicksal zu erfüllen
und nach eingetretener Reife vom Mutterlande abzufallen. Den
Tochtervölkern liegt heute nichts ferner als dieses Ziel. Sie sind
gewiß nicht gewillt, in der Form der Abhängigkeit vom Mutter
lande zu verharren; sie betrachten das Wort «Kolonie» mit Ab
neigung, obwohl es gerade die Tatsache ausdrückt, daß ein Reis
des alten Baumes in günstiges Erdreich verpflanzt, gediehen ist.
Sie wollten ursprünglich nur ihre eigenen Angelegenheiten ohne Ein
griffe des Mutterlandes erledigen; sie wollen heute über ihre Staats
grenzen hinaus wirken und an Reichsfragen mitberaten und mit-
arbeiten. Ein Teil der Tochtervölker stellte ursprünglich eine rein
britische Bevölkerung dar. Sie haben sich britische Ideale bewahrt
und britische Einrichtungen gegeben; sie sind aber den Briten des
Mutterlandes nur noch bedingt wesensgleich. Der Australier und
der Kanadier, selbst der Kanadier englischer Abstammung, sind
keine Engländer. Sie haben als Kolonisten das Land umgewandelt,
das sie besiedeln; es hat auf sie zurückgewirkt, indem es sich ihnen
unterwarf. Die großen Räume, die die neuen Welten bieten, ver
ändern den Charakter des Kolonisten, der aus übervölkerter Heimat
kommt, während er selbst allmählich die Wildnis umgestaltet. Die
Furche, die sein Pflug in der jungfräulichen Erde zieht, nimmt nicht
nur die Saat auf, die er sät, sie öffnet sich, damit er selbst Wurzel
fasse. Seine Jugend, seine Erinnerung an dieselbe mögen dem alten