Die Zukunft der südrussisohen Eisenindustrie.
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Aus vorstehenden Zahlen ist zu ersehen, daß erst die letzten
Jahre vor dem Kriege eine bedeutende Steigerung in der Anthrazit
förderung gebracht haben. Außer der allgemeinen Entwicklung der
Industrie in diesen Jahren war wohl der Hauptgrund die Vermin
derung der Naphthagewinnung in Baku und die hierdurch entstan
denen hohen Preise für die Naphtha. Die russische Industrie war
daher in vielen Zweigen gezwungen, schleunigen Ersatz zu suchen.
Bahnbrechend ging der Moskauer Industriebezirk vor, in welchem
der Verbrauch an Anthrazit als Ersatz für die Naphtha von 1900
bis 1913 von 16,4 Millionen Pud auf 77 Millionen Pud gestiegen ist.
Die Anwendung des Anthrazites erstreckte sich auf seine Ver
wendung für die Kesselfeuerung, den Generatorenbetrieb, den Kupol
ofenbetrieb der Gießereien, den Betrieb von Öfen zur Herstellung
von Steinen und Kalk und in geringem Maße für metallurgische
Betriebe.
Von den Hüttenwerken des Donezgebietes ist nur eine — die
Suliner Aktiengesellschaft —- auf den Verbrauch von Anthrazit ge
gründet. Langjährige Versuche, die Suliner Hochöfen ausschließlich
mit Anthrazit zu betreiben, haben zu keinem guten Ergebnis ge
führt und seit Jahren arbeiten die Hochöfen mit einem Gemisch
von Koks und Anthrazit. Aber der Betrieb ist schwierig und hat
im Donezgebiete keine Nachahmer gefunden.
Die wichtigste Kohlenart und den Hauptbedarf der Hütten
werke stellt die Kokskohle dar zur Herstellung von Koks. Genaue
Daten über die Vorräte an Kokskohle im Donezgebiete liegen nicht
vor; aber die Tatsache, daß schon in den letzten Jahren vor dem Kriege
bei einer jährlichen Produktion von 230—270 Millionen Pud Koks
ein Mangel an Kokskohlen bestand, zeigt, daß man an die Grenze
der Leistungsfähigkeit herangekommen war. Dabei sind alle Be
zirke, die Kokskohle enthalten, in Ausbeutung begriffen. Als vor
dem Kriege die Lokomotivfabrik vorm. Hartmann in Lugansk beab
sichtigte, für sich selbst die notwendigen Halbfabrikate herzustellen,
und sich dazu Hochöfen und größere Stahlwerksanlagen anzugliedern,
mußte von diesem Projekte Abstand genommen werden, weil trotz
aller Aufwendungen zur Erforschung der noch nicht in Abbau be-
„findlichen Gebiete kein freies Kokskohlenfeld gefunden werden
konnte. Auch hatten im Laufe der letzten Jahre vor dem Kriege
die Hochofenwerke mit ihren technischsn Ansprüchen an die Güte
des Donezkoks allmählich heruntergehen müssen. Es gab damals
schon kaum mehr Koks mit weniger als 12°/ 0 Asche und 1,2 bis
V°/o S.
Ziehen wir den Schluß aus den vorstehenden Zahlen der süd
russischen Förderungs- und Vorratsmengen an Erzen und Koks-