Full text : Der Wirtschaftskampf der Völker und seine internationale Regelung

1.  Abschnitt.
Die  Entstehung  des  wirtschaftlichen  Imperialismus.
a)  Der  englische  Imperialismus.
Das  Mutterland  des  wirtschaftlichen  Imperialismus  ist  England.
Es  ist  seit  dem  Utrechter  Frieden  von  1713,  nicht  erst  seit  der  Erlangung
der  Vorherrschaft  zur  See  durch  den  Pariser  Frieden  von  1763,  unentwegt ­
  auf  die  Erringung  und  Erhaltung  seiner  Vorherrschaft  in  der
Weltwirtschaft  bedacht  gewesen.  Es  hat  sich  durch  die  Überlegenheit
seiner  Flotte,  durch  den  Erwerb  von  Stützpunkten  auf  den  Weltstraßen
des  Handelsverkehrs,  durch  die  Werbekraft  seines  Großkapitals,  durch
die  Ausdehnung  und  wirtschaftliche  Vielseitigkeit  seines  kolonialen  Besitzes, ­
  durch  immer  weiter  greifende  politische  und  wirtschaftliche  Sicherungen, ­
  die  Führung  in  der  Weltwirtschaft  zu  verschaffen  gewußt.
In  England  paart  sich  aber  mit  dem  wirtschaftlichen  Imperialismus  in
hervorragendem  Maße  der  politische  Imperialismus.  Dem  Briten
ist  das  Emporkommen  seiner  Nation  der  einzig  richtige  Weg  zur  Verwirklichung ­
  der  Idee  eines  idealen  Menschheitstypus.  „Mit  der  Auffassung, ­
  daß  die  Welt  nur  am  britischen  Wesen  genesen  könne,  wird  der
Engländer  seit  den  Tagen  Cromwells  geboren“  (ß  u  e  d  o  r  f  f  e  r,  Weltpolitik ­
  22).
Daß  der  wirtschaftliche  Imperialismus  gerade  in  England  seine
reinste  und  umfassendste  Verkörperung  gefunden  hat,  erklärt  sich  aus
der  insularen  Lage  des  Mutterlandes  und  den  dadurch  ausgebildeten
Wirtschaftstrieben  des  englischen  Volkes.  Zwar  kann  man
bereits  einen  merkantilistischen  Imperialismus  mit  dem  Höhepunkt ­
  im  17.  Jahrhundert  feststellen  (Salomon,  Britischer  Imperialismus ­
  28);  aber  erst  als  die  Kornzölle  gefallen  (1846)  und  die  letzten
Reste  der  Cromwellsehen  Navigationsakte  beseitigt  waren  (1851),
war  unter  der  Führung  der  Manchesterschule  der  Freihandel  erstritten. ­
  Damit  war  fast  ein  Monopol  der  W  eltverfrachtung
zur  See  und  der  W  eltfinanzier  uag  erreicht.  Man  suchte  aber
noch  weitergehend  aus  dem  Mutterlande  die  „Werkstätte  der  Welt“  zu
machen  und  die  Industrie  ein  zubeziehen.  Es  traten  die  modernen
Mittel  der  wirtschaftlichen  Gewalt  in  den  Vordergrund.
Bereits  einmal  hatte  England  zur  Abwehr  der  Kontinental ­
            
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