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b e i ih r d e r s p e z ifis ch ko n s u mg eno s s ens ch aft li ch e G e ist.
Eine konsumgenossenschaftliche Vorbildung zu fordern ist aber ein
Unding, da in der Regel nur ein größerer Konsumverein an einem
Platze ist. Sind noch andere vorhanden, so ist es immerhin nicht gut
möglich, infolge der freundschaftlichen Beziehungen der Konsumvereine
zu irgendwelchen Parteiorganisationen, Angebote von Angestellten der
Konkurrenzvereine zu berücksichtigen, da Spionage vorliegen könnte.
Jedenfalls wurde mir dieser Einwand von einem Konsumgenossen
schafter einer Stadt mit zwei konkurrierenden Millionenvereinen ge
macht. Hier haben wir insofern eine Abweichung von den Gepflogen
heiten der Erwerbsgeschäfte, als diese Angestellte von Konkurrenz
firmen derselben Gegend anderen Angestellten vorziehen, um in die
Geschäftsgeheimnisse der Konkurrenz einzudringen. Spionage brauchen
sie in der Regel nicht zu fürchten. Bei den Konsumgenossenschaften
ist aber mehr Vorsicht am Platze, weil dort die Angestellten viel
enger mit ihrem Unternehmen verbunden sind als in den Erwerbsge
schäften und deshalb bei dem Uebertritt zum Konkurrenzverein un
lautere Motive vorliegen könnten. Daneben aber ist der angeführte
Grund der parteifreundlichen Haltung der Konsumvereine zu erwähnen.
Die technische Handhabung in den Verteilungsstellen eignet sich
das ungeschultc Personal ziemlich schnell an. Von einer eigentlichen
Lehrzeit kann man in der Regel nicht sprechen. Das kommt auch
schon etwas darin zum Ausdruck, daß man vielfach einteilt in „gelernte
und ungelernte Verkäuferinnen". Ihr Gehalt--) differiert nur sehr
wenig. Besteht eine besondere Lehrzeit mit sehr geringer Entlohnung,
so ist die Lehrzeit ganz kurz.
In der Schweiz hat der Verband schweizerischer Konsumvereine
die Ausbildung des Verteilungspersonals selbst in die Hand genommen.
In seiner Abteilung „Auskünfte" wird das zukünftige Verteilungsper
sonal ausgebildet. Für die Ausbildung im praktischen Ladendienst
dient eine Verteilungsstelle des Basler Konsumvereins. Auch stellt
der Verband den Vereinen für Anfänger besondere „Jnstruktionsver-
käuferinnen" zur Verfügung, damit der Verteilungsapparat durch
Einstellung von Anfängern keine Störung erleidet.
Zur allgemeinen konsumgenossenschaftlichen Ausbildung hat mau
in den Vereinen besondere Vortragsabende eingerichtet. Der
Konsumverein „Eintracht" in Essen hält sogar spezielle Kurse wäh
rend der Dienstzeit für die Verteilerinnen ab, wozu jede Verteilungs-
stclle eine bis drei Verteilerinnen schickt. Der Konsumverein Sendling-
22 ) Siehe Seite 151