Full text: Der Wirtschaftskampf der Völker und seine internationale Regelung

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Die Entstehung des wirtschaftlichen Imperialismus. 
mit China vom 6. Januar 1898 das Pachtrecht dieses Küstenstriches auf 
„vorläufig 99 Jahre“ und die Provinz Schantung als Interessensphäre. 
Nach der Eede Bülows vom 8. Februar 1898 sollte Kiautschou das 
„E ingangstor zum chinesischen Absatzgebiet“ bilden. 
Seine Erklärung im Deutschen Keiohstage am 11. Dezember 1899, daß 
sich Deutschland im Falle einer neuen Teilung der Erde von keiner Groß 
macht auf die Füße treten oder beiseiteschieben lassen werde, wirkte als 
„Trompetenstoß“ (K j e 11 e n, Großmächte 76). 
Hatte die Intervention Deutschlands nach dem Chinesisch-Japanischen 
Kriege schon 1895 einen Gegensatz zu Japan hervorgerufen, so geriet 
Deutschland infolge des Ankaufes der Marianen-, Karolinen- und Palau- 
inseln (1899) auch in Gegensatz zum Imperialismus der Vereinigten Staaten 
von Amerika, der sich nach Öffnung des Panamakanals der Südsee zuzu 
wenden gedachte. 
In China führte die nationale Bewegung der Boxer gegen das ver 
stärkte Eindringen der Fremden zum gemeinsamen bewaffneten 
Einschreiten der an der wirtschaftlichen Aufteilung Chinas interessierten 
Mächte. Infolge der ablehnenden Haltung der übrigen einschreitenden 
Mächte kam es aber nicht zu weiterer wirtschaftlicher Ausdehnung. 
Der deutsch-britische Notenwechsel vom 16. Oktober 1900 ließ das all 
gemeine Interesse der an der wirtschaftlichen Kolonisation Chinas 
interessierten Mächte hervortreten. Beide Mächte verpflichteten sich zur 
territorialen Enthaltsamkeit, indem sie den Territorialbestand 
Chinas ungemindert zu erhalten erklärten. Das Abkommen begründete 
in der Ziffer 1 den Grundsatz der „offenen Tür“ in klarer Weise. „Es 
entspricht einem gemeinsamen und dauernden internatio 
nalen Interesse, daß die an den Flüssen und an der Küste Chinas ge 
legenen Häfen dem Handel und jeder sonstigen erlaubten wirtschaftlichen 
Tätigkeit für die Angehörigen aller Nationen ohne Unterschied frei 
und offen bleiben“ (S t r u p p, Urkunden 2, 130). 
Infolge der Ausdehnung des deutschen Levantehandels versuchte 
Deutschland sich neue Einflußsphären in der asiatischen Türkei 
zu schaffen. Das wirtschaftliche Erschließungsmittel war der Bau der 
Bagdadbahn. Mit ihr entstand der russisch-sibirischen Bahn und dem 
englischen Suezkanal ein gefährlicher Konkurrent. Die Deutsche Bank 
erhielt die erste Konzession am 4. Oktober 1888. Sie wurde berechtigt, 
die Bahn, die 1870 von Haidar Pascha bis Ismid gebaut war, bis Angora 
zu führen und für 99 Jahre zu betreiben; 1893 wurde ihr die Fortsetzung 
bis Kaisarije zugestanden; 1896 wurde Konia erreicht; 1902 wurde die 
Fortsetzung bis Bagdad bereits einem deutsch-französischen 
Syndikate übertragen, das auch die Schiffahrt auf dem Tigris und die 
Bergwerke an der Bahn allein zu betreiben befugt sein sollte. 
Die aktive Islampolitik Deutschlands wurde durch Kaiser Wil-
	        
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