fullscreen: Der Wirtschaftskampf der Völker und seine internationale Regelung

IV 
Vorwort. 
mus ähnelt den nationalen, merkantilistisch gefärbten Bewegungen des 
17. und 18. Jahrhunderts (Marx, Männer und Zeiten 2, 289.). „Impe 
rialismus“ bedeutet trotz seiner verschiedenen Verwendungsweise doch 
immer in seinem Kerne das in seiner Energie unstillbare und seinem Um 
fange unbegrenzbare Drängen nach Expansion der Volkskraft 
(Ruedorffer, Weltpolitik 10). Sein Kennzeichen empfängt es von der 
Ausdehnung des Wettbewerbes der vom Imperialismus erfaßten Völker 
auf alle in den Weltverkehr verflochtenen Interessen, besonders aber 
von der Ausweitung ihrer Kraft über die Meere hinweg. Bei dieser Art 
der Lebensbetätigung der Völker reiht sich an das Nebeneinander im 
friedlichen Wettbewerb naturnotwendig die E eindseligkeit, die 
gewaltsame Schädigung oder gar Vernichtung eines oder 
mehrerer Mitbewerber. Der Imperialismus zeigt eine Aggressivität, 
deren wahrer Grund nicht in den momentan verfolgten Zielen liegt 
{Schumpeter, Soziologie der Imperialismen 5). Diese Feindseligkeit 
ist zwar ein aus dem noch fast ungeregelten Urzustände des politischen 
und wirtschaftlichen Völker Verkehrs entspringender Mangel, der aber in 
seiner Fortdauer und Schärfe bereits die menschliche Kultur über 
haupt zu bedrohen beginnt. 
Von dem ersten Handelsvolke der Welt ausgehend, hat sich der 
Imperialismus insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiete be 
tätigt; er ist meist von dem Streben nach stetig wachsendem Anteil 
an der Weltwirtschaft beherrscht. Hierbei wird unter „Welt 
wirtschaft“ der „Inbegriff der durch ein hochentwickeltes Verkehrswesen 
ermöglichten und durch internationale Verträge sowohl geregelten wie 
geförderten Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen den Einzelwirt 
schaften der Erde verstanden** (Harms, Volkswirtschaft und Weltwirt 
schaft 106). Die Betätigung des Imperialismus auf wirtschaftlichem 
Gebiete hat manche veranlaßt, darin allein sein Wesen zu erblicken. 
Man verstand unter Imperialismus das „Prinzip jener Staaten, denen 
zwar keine direkte politische Macht über alle Länder der 
Welt zusteht, die aber, an und für sich von verhältnismäßig großem 
Territorium, von großer, dichter und leistungsfähiger Bevölkerung, von 
starkem Außenhandel, dahin streben, in allen Weltteilen so wichtige 
territoriale und populationistische Stützpunkte ihrer Nationalwirtschaft 
zu besitzen und mit allen wichtigeren Ländern so starke kommerzielle 
und finanzielle Beziehungen zu unterhalten, daß sie in den weltpolitischen 
und weltwirtschaftlichen Fragen ein entscheidendes Wort mitzureden 
haben“ (K o b a t s c h, Internationale Wirtschaftspolitik 364). 
Im folgenden soll jedoch die wirtschaftliche Betätigung des Aus 
dehnungsdranges als wirtschaftlicher Imperialismus vom politischen 
unterschieden werden. Beide Arten sind innig miteinander verflochten. 
Man kann sagen, daß England gerade durch den wirtschaftlichen Im-
	        
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