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Wolvnien leitet zu den gering bevölkerten, an Sumpf- und Morastdistrikten
reichen Landschaften über, den östlichen Grenzgebieten
Polens, deren Eroberung schon früh von den moskowitischen Waffen
erstrebt wurde. Unter dem. Sammelnamen Poljesje faßt man heute
die gewaltigen, strichweise schwer zugänglichen Sumpfbezirke im Gouvernement
Minsk und den anschließenden Kreisen der Provinzen Wolynien
und Grodno zusammen. Aber auch weiter nordwärts ändert sich das
Landschaftsbild, reich an Seen, Morästen und Sümpfen, dazu an Wäldern,
im wesentlichen nicht allzusehr. Die ausgedehnten, wenig entwickelten
Bezirke stellen an den Angriff russischer Gegner große Anforderungen,
die durch die Verkehrsarmut noch gesteigert werden. Im südlichen und
mittleren Teil wohnen neben Ruthenen namentlich Weißrussen, eine
sehr arme, rückständige Bevölkerung, deren Siedlungsraum zu den am
meisten vernachlässigten Teilen des ganzen Reiches gehört. In den
nördlichen Distrikten überwiegen bereits die Großrussen. In den einigermaßen
ur- und gangbar gemachten Kreisen ist zwar die Zahl der Siedlungen
nicht gerade gering, doch sind die Dörfer fast stets sehr klein
und haben selten 500, geschweige denn 1000 Einwohner. Städte sind
sehr spärlich, seltener als in Litauen, von Polen, der Ukraine und Großrußland
erst recht abgesehen. Wenn man die Volksdichte des Gebiets
auf 35 Einwohner für den qkm berechnet, so ist dies eine mittlere Ziffer,
denn in einigen Kreisen der Provinzen Minsk und Pskow sinkt die Dichtezahl
auf unter 20. Dem entspricht auch die größere Stationsdistanz.
Die durch die südliche Poljesje angelegte neue wichtige Bahn Kowel—
Sarny—Kiew hat zwar auf 423 W immerhin 36 Stationen, auf den
wolynischen Teil von 277 W fallen aber nur 19 Stationen, so daß die
Stationsferne auf 20, 21, 22 und 27 W steigt. Ähnlich sind die Distanzen
auf der Teilstrecke Smolensk—Borissow—Baranowitschi der Alexanderbahn
(397 W, 27 Stationen), auf der 11 Bahnorte zwischen 20 und 25 W
entfernt liegen 1 ), oder auf der eigentlichen Pripetbahn (Hornel—)Mosyr—
Luninez—Brest (379 W, 29 Stationen). Die teilweise Urbarmachung
der Poljesje, die größte Tat der russischen inneren Kolonisation, hat
bewirkt, daß namentlich im Westen mit der Entstehung neuer Ansiedlungen
auch eine gewisse Stationshäufigkeit ein trat, so daß z. B.
auf der für den Petersburg-Kiewer Durchgangsverkehr wichtigen Bahn
Wilna—Luninez—Sarny (397 W), die durch das vielverzweigte, bereits
etwas stärker besiedelte Tal des Goryn führt, 31 Stationen begründet
werden konnten und die größte Distanz überhaupt nur noch 15 W
beträgt 1 2 ). Von den Bahnen der nördlich anschließenden Provinzen
besitzt die viel Ackerland durchquerende Dwinsk-Oreler Bahn verhältnis1
) Auf der durch die am wenigsten entwickelten Kreise des Gouvernements
Grodno geführten Fortsetzung nach Brest folgen bei 190 W nur 9 Stationen.
2 ) Die Bahnbauten sind überhaupt in diesen Teilen Rußlands die Veranlassung
zu neuer Besiedlung. Auch die Pripetbahn rief neue Siedlungen ins Leben.