Full text: Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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Krone, die trotz der staatsmännischen Einsicht Kaiser Nikolaus’ I. 
durch die Schaffung einer Unzahl unwirtschaftlich arbeitender Institute 
sich des Einflusses auf die Bahnen des Reiches begeben hatte. Der 
Staat, der selbst einen Teil der Bauarbeiten ausführen oder verschiedene 
Bahnen sogar völlig fertigstellen ließ, hatte diese nicht nur den Gesell 
schaften ausgeliefert, wie die Linien Moskau—St. Petersburg, Moskau- 
Kursk, Odessa—Birsula, Bender—Reni, Warschau —Graniza, eine Politik, 
die übrigens auch in späteren Jahren noch nicht aufgegeben wurde, 
sondern auch für die Gesellschaften auf seine Kosten Schienen, Lokomo 
tiven und sonstige Betriebsmittel anfertigen lassen x ). Bei allen Bahnen, 
mit Ausnahme der Warschau-Wiener und der Zarskoje Selo-Bahn, war 
der Staat stark beteiligt. Man berechnete 1881, daß 9 / 10 des Anlage 
kapitals von der Regierung beschafft, selbst Eigentum der Regierung 
oder mit Hilfe der Krongarantie erwirkt worden waren * 2 ). So war die 
Verschuldung der Gesellschaften gegenüber dem Staate eine ganz ge 
waltige geworden, während dagegen bei dem schlechten Geschäftsgang 
die Abzahlungen immer geringer wurden. 
III. Die Zeit nacli 1881. 
a) Die Verstaatlichungsperiode, Zuriickdrängung privater Unternehmungen. 
Nur eine einzige Bahn, die schmalspurige unbedeutende, 1871 er- 
öffnete, 57 W lange Liwnybahn (Werchowje—Liwny, Gouv. Orel) hatte 
der Staat nicht den Gesellschaften ausgeliefert, als mit dem Jahre 1881 
sich der Umschwung der staatlichen Stellungnahme anbahnt. Das 
denkwürdige Manifest des Zaren Alexander II. vom 6. Februar 1881 
weist auf die Kalamität der Privatbahngesellschaften hin, auf die Tat 
sache, daß nur fünf oder sechs Gesellschaften ihren Aktionären Zinsen 
zahlen, ohne die von der Regierung übernommene Garantie in Anspruch 
nehmen zu müssen, während die große Mehrzahl fortgesetzt die kaiser 
liche Kasse durch die Inanspruchnahme von Zahlungen auf die vom 
Staat übernommene Zinsgarantie belastet. Vielen Gesellschaften fehlten 
selbst die Mittel für die Befriedigung der laufenden Bedürfnisse des 
Betriebes. So rechtfertigt der Staat den Bau und die Betriebsübernahme 
neuer Bahnen. Man denke aber nicht, daß der Staat sich jetzt etwa 
von vomeherein von militärpolitischen Gründen hätte leiten lassen. 
An erster Stelle stand zunächst noch der wirtschaftliche Gesichtspunkt. 
Bezeichnend ist es, daß die beiden ersten Bahnen, die der Staat in der 
neuen Ära für eigene Verwaltung baut, rein wirtschaftlichen Gesichts 
punkten ihre Entstehung verdanken. Die kurze Baskuntschakbahn, die 
*■) Die Orenburger Bahngesellschaft erhielt noch 1885 aus dem Bestand 
der Krone Rollmaterial. 
2 ) AEW 5 (1882) S. 148, Matthesius, Russische Eisenbahnpolitik (1881 
bis 1903), AEW 28 (1905) S. 361.
	        
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