Full text : Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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bahnen  haben  eine  Länge  von  269  km.  Dem  steht  ein  Staatsbahnnetz
von  3409  km  gegenüber,  so  daß  sämtliche  Bahnsysteme  Rußlands  und
Finnlands  im  ganzen  rund  57  700  km  .  umfassen.
Bei  der  Betrachtung  der  russischen  Verkehrswege  darf  freilich  das
dichte  Netz  der  Wasserstraßen  nicht  außer  acht  gelassen  werden.  Kein
europäischer  Staat  kann  ein  gleiches  Flußnetz  sein  eigen  nennen.  Die
Flüsse,  die  meist  wasserreich  und  schnellenfrei  sind,  sind  bis  hoch  hinauf
schiffbar.  Es  ist  durchaus  nicht  selten,  daß  drei  Viertel,  ja  vier  Fünftel
des  Gesamtflußlaufes  schiff-  oder  zum  wenigsten  mühelos  flößbar  sind.
Selbst  ein  so  zurückgebliebenes  Verkehrsgebiet  wie  die  Poljesje  hat  ganz
ausgezeichnete  Schiffahrtsbedingungen,  günstig  auch  deshalb,  weil  das
Gefälle  der  Flüsse  sehr  gering  ist.  Die  Gesamtlänge  der  flöß-  und
schiffbaren  Flußstrecken  im  europäischen  Rußland  ohne  Finnland
betrug  1906:  169  104  W.  Davon  waren  42  377  W  nach  beiden  Richtungen ­
  hin  schiffbar.  Dem  Personenverkehr  waren  22  689  W  zugänglich
gemacht.  So  groß  ist  auch  ungefähr  die  Länge  der  Strecken,  die  regelmäßig ­
  von  den  Dampfergesellschaften  befahren  werden.  Fast  alle
größeren  Flüsse,  am  wenigsten  freilich  der  ungeheure  Don,  werden  einen
großen  Teil  des  Jahres  von  Dampfern  befahren-  Selbst  die  durch  äußerst
spärlich  besiedelte,  unwirtliche  Gegenden  fließende  Petschora  ist  von
Jakschinskaja  im  nördlichen  Teil  der  Permer  Provinz  an  auf  1200  W
bis  Kuja  im  Delta  der  Dampf  Schiffahrt  offen.  Ja  sogar  den  Unterlauf
der  bei  Ust  Ussa  mündenden,  dem  kaum  seßhaft  besiedelten  Tundrengebiet ­
  entstammenden  Ussa  befahren  an  einigen  wenigen  Tagen  im  Hochsommer ­
  Dampfschiffe 1 ).
Länger  als  in  West-  und  Mitteleuropa  wurde  in  Rußland  der  Grundsatz ­
  des  Miteinanderarbeitens  von  Schiffahrt  und  Eisenbahn  beachtet.
Es  ist  wohl  sicher  anzunehmen,  daß,  wenn  der  Lauf  der  Norddwina  ein
süd-nördlicher,  also  in  der  Richtung  Moskau—Archangelsk  gestreckt
wäre,  die  Bahn  nach  Archangelsk  nicht  bereits  1898  gebaut  worden  wäre.
Die  Wjatka-Kotlasbahn  erreicht  auf  kürzestem  Wege  ziemlich  genau
in  der  Richtung  der  nördlichen  Dwina  die  Suchona  (Dwina).  Die  Notwendigkeit, ­
  der  Dwina  entlang  von  Kotlas  bis  Archangelsk  eine  Bahn  zu
bauen,  hätte  sich  ebenfalls  so  bald  nicht  ergeben,  wenn  nicht  der  Weltkrieg ­
  die  weitestgehende  Ausnutzung  des  möglichst  von  verschiedenen
Seiten  her  zugänglich  zu  machenden  Hafens  gefordert  hätte,  ln  den
letzten  Jahren  scheint  man  trotz  des  Bestehens  eines  Wasserweges  den
Bahnbau  auch  an  anderen  Stellen  nicht  mehr  umgehen  zu  können.  Daß
Petrosawodsk,  die  Hauptstadt  der  Olonezprovinz,  erst  jetzt  eine  Bahn
erhalten  wird,  liegt  sicherlich  mit  daran,  daß  die  Stadt  von  der  Newa  aus
1 )  Die  Annahme,  daß  selbst  auf  größeren  Flüssen  nur  eine  Taldampfschiffahrt
möglich  sei,  trifft  heute  nur  noch  selten  zu.  Selbst  auf  Petschora  und  Ussa  ist
Bergfahrt  durchgeführt.  Freilich  ist  bei  einigen  Flüssen  die  Talfahrt  länger  geöffnet
als  die  Bergfahrt.
            
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