Full text: Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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Der Strom ist freilich hier schon außerordentlich breit, bei Saratow 
mehrere Kilometer und bei Zarizyn bereits geteilt. Die Rjäsan-Uralsker 
Bahn hat aber tatsächlich kürzlich den Auftrag erhalten, mit dem Umbau 
ihrer Strecke Jerschow—Uralsk vorbereitende Maßnahmen zum Bau 
einer Brücke zwischen Saratow und Pokrowskaja Sloboda zu treffen. 
Der Brückenbau bei Zarizyn rückt ebenfalls in den Bereich der Möglich 
keiten, seitdem ganz kürzlich neue südrussisch-sibirische Projekte er 
wogen werden, die wahrscheinlich die Anlage der Bahn Orenburg oder 
Iletzk—Uralsk—Zarizyn zur Folge haben. 
Ein außerordentlich bemerkenswertes Projekt wurde kurz vor Kriegs 
ausbruch bekannt. Die Moskau-Kasaner Bahn soll sich Mitte Juli 1914 
für das Hinausrücken des Termins der Verstaatlichung entschlossen 
haben, als Gegenleistung die Anlage einer Untertunnelung der Wolga 
bei Nischni Nowgorod auszuführen, gleichzeitig mit dem Bau einer 
Bahn von Nischni nach Kotelnitsch, so daß der Weg von Moskau nach 
Wjatka und Perm bedeutend verkürzt wird. In Nischni Nowgorod 
endigt bisher die Bahnlinie von Moskau auf dem linken, die von Timir- 
jasewo (Pensa, Kasan) auf dem rechten Ufer der hier 650 m breiten Oka, 
so daß ein durchgehender Verkehr unterbunden ist. Vielerorts erinnert 
gerade das System der Bahnen, die den Wolgahäfen zugeführt sind, 
an die Frühzeit der Eisenbahnen in Mitteleuropa. Man merkt allerwärts, 
daß die Notwendigkeit der Brückenanlagen den Ausbau der Verkehrs 
wege hemmt. Darum enden die Bahnen des Moskauer Bezirks in Ki- 
neschma, am rechten Ufer gegenüber Kostroma und in Sawelowo. 
Brückenbauten sind hier die unumgängliche Voraussetzung für die Ver 
bindung Moskaus mit dem jenseits der Wolga gelegenen zukunftsreichen 
Hinterland. 
Die Wolga ist das beste Beispiel, wie ein hervorragender Strom den 
Ausbau des Bahnnetzes hintenanhält. Freilich treten die nördlich und 
östlich von der Wolga gelegenen Landschaften erst neuerdings in die 
Periode einer kräftigeren wirtschaftlichen Entwickelung, mit der die 
Anlage der Brücken Hand in Hand geht. Aber auch sonst zeigen sich 
noch ähnliche Verkehrsschranken: doch wird auch hier der eine oder 
andere Ubelstand in der nächsten Zeit beseitigt werden. So wird der 
Dnjepr bei Tscherkassy überbrückt werden durch den Ausbau der 
neuen Linie Bachmatsch—Wosnessensk—Odessa. Immer noch fehlt 
eine Brücke über den Prutb und hiermit eine Verbindung mit dem 
rumänischen Hafen Galatz. Die Notwendigkeit der Brückenanlagen 
ist auch häufig die Veranlassung, daß die Bahnen nicht bis an die Stadt 
heranreichen. Es wurde schon Kostroma erwähnt, dessen Bahnver 
bindung auf dem jenseitigen Wolgaufer endet. Rußlands nördlichste 
Bahn endet auf dem linken Ufer der hier über 1 km breiten Dwina, 
jenseits Archangelsk. Der Bahnhof der Provinzhauptstadt Tschernigow 
liegt auf dem linken Desnaufer und 3 W von dieser entfernt. Auf dem
	        
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