Full text: Oekonomik der Transformationsperiode

Auf diesem Gebiete konnte das staatskapitalistische System 
sich schon auf syndikatartige landwirtschaftliche Verbände be 
sonderer Art stützen, vor allem auf die Genossenschaften. Durch 
die Regelung des Zirkulationsprozesses wurde auch der Mecha 
nismus der landwirtschaftlichen Produktion im Ganzen, selbst 
einschließlich der kleinen Individualwirtschaft, reguliert. Das 
System des „freien Handels" mit landwirtschaftlichen Pro 
dukten wurde endgültig untergraben. Freilich, die spezifischen 
Bedingungen der Landwirtschaft, das hohe spezifische Gewicht 
der kleinen und mittleren warenproduzicrenden Wirtschaft er 
zeugten auch hier große Schwierigkeiten; dies drückte sich in dem 
„illegalen“, „freien“ Markte und dem Schleichhandel aus; aber 
immerhin, solange das System der staatskapitalistischen Organi 
sation als Ganzes stark war, war auch die Landwirtschaft dem 
allgemeinen Apparat eingefügt, dessen Hauptbestandteil die orga 
nisierte Industrie war,*) 
Daraus entspringt der Satz: insofern der Zusammenbruch 
des Systems des Staatskapitalismus zu seinem Ausgangspunkt 
den Zerfall der Produktionsverhältnisse in der Industrie hat, be 
deutet er auch den Zusammenbruch dieses Systems in bezug auf 
die Landwirtschaft. 
Die Stagnation des staatskapitalistischen Apparates drückt 
sich hier aus in seiner beständigen Durchlöcherung durch den 
*) Vcrgl. darüber die Broschüre des Gen. J. Larin: „Die Utopisten 
des Minimalismus und die Wirklichkeit", Petrograd, 1917 (russisch). In 
dieser Broschüre bemerkt Gen, Larin vollkommen richtig: „Kurzum, wenn 
der Ackerbau selbst von innen heraus in organisatorischer Hinsicht unge 
nügend ausgereift war, so wies der moderne deutsche Kapitalismus einen 
genügenden Vorrat an materiellen und gesellschaftlichen Organisations 
kräften auf, um von oben herab und von außen die Landwirtschaft zusara- 
menzuschließen und zu einem einheitlichen, planmäßig verwalteten Organis 
mus zu verbinden. Mit anderen Worten, man muß die materielle „Reife des 
Landes betrachten nicht vom Standpunkt der Notwendigkeit, zunächst jeden 
Wirtschaftszweig an sich zur technisch-organisatorischen Reife zu bringen, 
sondern als Derivate des allgemeinen Zustandes all ihrer Produktivkräfte 
in ihrer Durchschnittsumme.“ (S. 17—18.) 
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