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Tonkunst.
Meister — ein Pessimismus, der durch die Dresdner Erfahrungen
gegen Ende der vierziger Jahre wohl noch verstärkt wurde.
Aber Wagner hätte nicht der schaffenskräftige Mensch sein
müssen, als den er sich jederzeit bewährt hat, wenn ihm nicht
schon früh der Trieb, zunächst nur dunkel empfunden, auf—
getaucht wäre, nun diese schlimme Welt zu bessern und damit
einen Ausblick wenigstens zu eröffnen auf eine andere Kultur,
eine schönere Zukunft. Der Instinkt des Regenerationsgedankens
regte sich. Bereits auf der Reise nach Paris hatte er den
„Fliegenden Holländer“ empfangen, in Paris bildete er ihn
durch: das Kunstwerk, in dem er den reinsten Pessimismus,
aber auch schon die Religion des Mitleids predigt. Was die
Beschäftigung mit diesem Stoffe für die Entfaltung seiner
Weltanschauung ausgetragen hat, das hat Wagner schon in
den fünfziger Jahren deutlich übersehen und anerkannt. Und
daneben kam ihm in Paris, zunächst wohl auf dem Wege der
Kontrastwirkung, sein deutscher Sinn erst recht zum Bewußtsein,
und auch dieser, gestärkt durch Beschäftigung mit der deutschen
Mythologie, bestärkte ihn zwar in seinem Pessimismus, hob
ihn aber zugleich empor zu der verschwommenen Hoffnung einer
großen, glänzenden Zukunft der Kultur seines Volkes: — nicht
in eine erträumte paradiesische Vergangenheit floh dieser Deutsche
vor dem Elend der Zeit, wie einst der Schweizer Romane
Rousseau: in die Zukunft streckte er sich wollend wünschend
in noch nebelhaften, doch wohlthätigen Phantasien. In Dresden
aber, noch vor 1848, verdichteten sich die Nebel zu bestimmten
Vorstellungen. Wagner sah eine Regeneration der Welt nur
möglich auf dem Wege der Kunst, — es war eine der ersten
klareren Vorahnungen der heute offen liegenden Thatsache, daß
das Zeitalter des sogenannten Realismus von etwa 1830 bis
1880, das Zeitalter einer naturwissenschaftlich und historisch
charakterisierten Aufklärung eines Tages abgelöst sein werde
durch eine neue Zeit mit der Kunst, der ästhetischen Seite der
Kultur, als Führerin an der Spitze. Und schon erschien
ihm als diejenige Gattung der Kunst, die den Umschwung
herbeiführen müsse, an erster Stelle die Dichtung und die