Full text: Oekonomik der Transformationsperiode

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Die Betrachtung des gesellschaftlichen und dabei irrationalen, 
blinden Systems vom Standpunkte des Gleichgewichtes hat natür 
lich nichts gemein mit der harmonia praestabilitata, denn sie geht 
von der Tatsache der Existenz dieses Systems und der Tatsache 
seiner Entwicklung aus. Das letztere unterstellt den Typus dieses 
Gleichgewichtes als bewegliches und nicht statistisches Gleich 
gewicht. 
Das sind die Grundlagen der Methodologie der theoretischen 
Oekonomik, Wir müssen jetzt zur Frage übergehen, welche Be 
deutung dieser Standpunkt in bezug auf die Periode des Zer 
falls des Kapitalismus und die Periode der Herrschaft des Prole 
tariats hat. 
gesellschaftlichen Arbeitszweige. Zwar suchen sich die verschiedenen 
Produktionssphären beständig ins Gleichgewicht zu setzen, indem einerseits 
jeder Warenproduzent einen Gebrauchswert produzieren, also ein be 
sonderes gesellschaftliches Bedürfnis befriedigen muß, der Umfang dieser 
Bedürfnisse aber quantitativ verschieden ist und ein inneres Band die ver 
schiedenen Bedürfnismassen zu einem naturwüchsigen System verkettet, 
indem andererseits das Wertgesetz der Waren bestimmt, wieviel die Ge 
sellschaft von ihrer ganzen verfügbaren Arbeitszeit auf die Produktion jeder 
besonderen Warenart verausgaben kann, Aber diese beständige Tendenz 
der verschiedenen Produktionssphären, sich ins Gleichgewicht zu setzen, 
betätigt sich nur als Reaktion gegen die beständige Aufhebung des Gleiche 
gewichts. Die bei der Teilung der Arbeit im Innern der Werkstatt von 
vornherein und planmäßig befolgte Regel wirkt bei der Teilung der Arbeit 
im Inneren der Gesellschaft nur hintennach als innere, stumme, im Baro- 
raeterwechsel der Marktpreise wahrnehmbare, die regellose Willkür der 
Warenproduzenten überwältigende Naturnotwendigkeit.” In diesen Worten 
steckt in nuce die ganze Marx'sche Theorie der Warenwirtschaft, und hier 
sehen wir, welche Rolle das bei der ganzen Untersuchung stillschweigend 
vorausgesetzte Prinzip des Gleichgewichtes spielt. Interessant ist, wie Marx 
selbst seine wissenschaftliche Methode vorübergehend kennzeichnet: „Nach 
frage und Zufuhr decken sich in der Tat niemals ... In der politischen Oeko- 
nomie wird aber unterstellt, daß sie sich decken, warum? Um die Er 
scheinungen in ihrer gesetzmäßigen, ihrem Begriff entsprechenden Gestalt 
zu betrachten, d. h. sie zu betrachten unabhängig von dem durch die Be 
wegung von Nachfrage und Zufuhr hervorgebrachten Schein." („Das Kapital", 
Band III, Hamburg 1919, S, 169.) Dies heißt eben, die gesellschaftliche 
Wirtschaft im Zustand des Gleichgewichtes betrachten.
	        
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