170
Andererseits beruht auf der Negation der Gewalt eine ganze
Reihe von entgegengesetzten Theorien, die einfach die erfahrungsgemäß
gegebenen Erscheinungen nicht sehen wollen,
alle jene Tatsachen, die hartnäckig eine Erklärung fordern. Der
Marxismus kann nicht dasjenige wegdenken, was real als größter
historischer Faktor da ist. Die Ausräuberung der Gemeindeländereien
in England zur Zeit der ursprünglichen Akkumulation,
die Zwangsarbeit der Sklavenmassen im alten Aegypten,
die Kolonialkriege, die „großen Aufstände“ und „ruhmreichen
Revolutionen“, der Imperialismus, die kommunistische Revolution
des Proletariats, die Arbeitsarmeen in der Sowjetrepublik,
— sind denn all diese so verschiedenartigen Erscheinungen nicht
mit der Frage des Zwanges verknüpft? Gewiß doch. Der vulgäre
Forscher möchte sich beruhigen, indem er alles unter einen
Hut bringt. Der Anhänger der dialektischen Methode muß diese
Formen in ihrem historischen Zusammenhang analysieren, in
ihrer Verbindung mit dem Ganzen, in ihren spezifischen Eigentümlichkeiten,
in ihrer — mitunter dem Wesen nach ganz entgegengesetzten
— funktionellen Bedeutung,
Die soziale Gewalt- und Zv/angsanwendung (und nur von
dieser ist hier die Rede) steht in einem zwiefachen Verhältnis
zur Oekonomie: erstens entsteht sie als Funktion dieser Oekonomik;
zweitens wirkt sie ihrerseits auf das ökonomische Leben ein.
In dieser letzteren Rolle kann sich der Einfluß in zwei Richtungen
vollziehen: entweder in der Linie der sich objektiv entwickelnden
ökonomischen Beziehungen, — dann befriedigt er
das reif gewordene gesellschaftliche Bedürfnis, beschleunigt die
ökonomische Entwicklung, bildet eine fortschrittliche Form dieser
Entwicklung; oder er steht im Gegensatz zu dieser Entwicklung,
— dann verzögert er die Entwicklung, bildet ihre „Fesseln“ und
muß im allgemeinen einer anderen Form des Zwanges mit
anderem, wenn man sich so ausdrücken darf, mathematischen