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begonnen wurde. Man hatte für später das Aufführen einer 3 Fuß dicken
wasserdichten Mauer in dem gußeisernen Futter vorgesehen. Am 5. Februar
1858 wurde mit der Mauerung begonnen und der Mauerfuß in einer Tiefe
von 354 Fuß aufgesetzt. Diese Arbeiten wurden bis zum 12. Mai desselben
Jahres beendigt. Die Mauerstärke betrug 3 Fuß, die lichte Weite 16 Fuß.
Als Mörtel zur Mauerung wurde Traß aus dem Brohltal am Rhein in Ver
bindung mit Kalk von Friedrichshall verwendet. Die Herstellung der Ziegel
erfolgte durch Wallonen in Feldbrennereien. Nachdem das Mauer werk aus
reichend erhärtet war, wurde am 1. September 1858 der Schacht leer gepumpt
und die Schließung der Röhren in der Mauer bewirkt. Die weiteren Abteuf
arbeiten im Gips schritten nunniehr rasch vorwärts, am 14. März 1859 stieß
der Schacht bei 535 Fuß Tiefe auf reines Steinsalz, dessen Mächtigkeit auf
47 Fuß festgestellt wurde.
Bei einem im April 1909 vom Verfasser ausgeführten Besuch des König!.
Bergwerks Friedrichshall, dessen Grube ich mit gütiger Zustimmung des kgl.
Bergrats Herrn Bohnert befahren konnte, war im Abbau eine Teufe von 174 in
erreicht. Die größte vorhandene Mächtigkeit der Lagerstätte betrug 25 in. Auch
auf dem König!. Bergwerk Friedrichshall befindet sich, ähnlich wie auf dem Stein
salzbergwerk Heilbronn, unter der Erde ein in Salz. gehauener großer Festsaal.
Man hat hierzu eine Firste entsprechend ausgebaut, die eine Höhe von 15 in
aufweist. Der Festsaal, der eine dekorativ angelegte Grotte besitzt, kann durch
zahlreiche Lampen elektrisch beleuchtet werden.
Bei dem gewonnenen Steinsalz wurde in den 1870er Jahren unmittelbar in
der Nähe des Schachtes über Tage die Scheidung in reines und weniger reines Salz
vorgenommen. Das unreine Salz brachte man in einen Holzkasten, der etwa 5 Klaf
ter im Quadrat groß und 4 Fuß tief war. Das Salz wurde nun durch Aufgeben
von Wasser in Sole verwandelt, ein Prozeß, der sich in etwa 24 Stunden voll
zog. Diese starkhaltige Sole wurde in einen daneben befindlichen Behälter ab
gelassen, von wo aus sie dann nach Bedarf auf die nahen Sudpfannen geleitet
wurde. Der Zusammensetzung nach zeigte das unreine Salz 97 °/ 0 Chlornatrium
und 3 % fremde Stoffe, in der Hauptsache gipsige, kieselige, unlösliche Teile.
Dieser Solebetrieb geschah nur deswegen, weil man das unreine Salz schwer
anderweitig verwenden konnte. Denn die Saline wurde für ihre Pfannen von
den Bohrlöchern mehr als hinreichend mit Sole versorgt.
Das geförderte reine Steinsalz kam in kleine Eisenbahnwagen von 35 bis
40 Kubikfuß Fassungsraum zur Verladung. Zehn solche Wagen ließ man zu
sammen auf schräger Bahn ohne Bremsvorrichtung durch die eigene Schwerkraft
bis zur Salzmühle laufen, die bei der Sudhütte angebaut war. Aus den Wagen
wurde das Salz unmittelbar auf gerippte Quetschen geschüttet, die das Salz bis
zu einem gewissen Grade zerkleinerten. Das so zerkleinerte Salz wurde durch
ein Paternosterwerk in die Mühlkästen gehoben, vermahlen und nun entweder
lose in die Eisenbahnwagen geschüttet oder in Säcken zu 1 und 2 Zentnern
verpackt. Im letzteren Fall erfolgte die Verladung auf den unmittelbar bei der
Mühle verankerten Schiffen, die auf Neckar und Rhein gingen. Um gleich großes,
körniges Salz zu erhalten, wurde das gemahlene Salz nochmals mittels eines
Aufzuges nach oben befördert, um hierauf ein Trommelsieb zu passieren. Der
Rückstand bildete dann das gewünschte gleichkörnige Salz. Der maschinelle An
trieb der Mühle und Quetsche wurde durch zwei Turbinen bewirkt. Der Rück-