Full text : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

WÄNDBRÜNGSVBELAUF  UND  GETROFFENE  MASSNAHMEN.  99
Es  ist  unmöglich,  in  einem  solchen  Schema  sämtliche
Verbindungen  und  Beziehungen  der  einzelnen  Stellen  zueinander ­
  zu  berücksichtigen.  Es  wurde  bereits  darauf
hingewiesen,  daß  die  Darlehnskasse  des  Hilfsbundes  nicht
diesem  allein  unterstellt  ist,  sondern  in  ihrer  Tätigkeit  von
einem  Verwaltungsrat  beaufsichtigt  wird,  in  dem  u.  a.  das
Eeichsfinanzministerium  und  die  Ministerialabteilung  für
Elsaß-Lothringen  vertreten  sind.  Ebenso  erfolgte  die  Gründung ­
  der  Zentralsiedelungsgesellschaft  „Neue  Heimat“  unter ­
  Beteiligung  der  Ministerialabteilung,  des  Boten  Kreuzes
und  des  Hilfsbundes,  während  die  lokalen  Siedelungsunternehmen ­
  in  engster  Fühlung  mit  den  Ortsgruppen  des
Hilfsbundes  stehen.
Die  rein  äußere  Stellung  der  einzelnen  staatlichen  und
privaten  Organisationen  zueinander  dürfte  durch  die  gegebene ­
  Zusammenstellung  klar  hervortreten.
Wir  dürfen  Jedoch  die  enge  Verknüpfung  der  einzelnen ­
  äußerlich  nebeneinander  auftretenden  Stellen  nicht
vergessen,  wenn  nicht  das  falsche  Bild  einer  Überorganisation ­
  entstehen  soll.  Die  verschiedenen  privaten  Vereinigungen, ­
  Gesellschaften  und  Verbände  erwecken  den
Eindruck  starker  Zersplitterung.  Von  einer  solchen  kann
bei  dem  engen  Zusammenarbeiten  der  verschiedenen  Gruppen ­
  nicht  die  Bede  sein.  Im  Mittelpunkt  der  Selbsthilfe
der  Vertriebenen  steht  der  Hilfsbund,  der  am  1.  März  1920
in  13  Landesgruppen  und  180  Ortsgruppen  28  590  Mitglieder ­
  in  sich  vereinigte.  Da  die  meisten  Familien  nur
durch  ihren  Familienvorstand  im  Hilfsbund  vertreten  sind,
so  erhellt  aus  dieser  Zahl  seiner  Mitglieder  die  Tatsache,
daß  der  Hilfsbund  die  Mehrzahl  aller  Vertriebenen  zusammengefaßt ­
  hat.  So  ist  er  der  berufene  Vertreter  der
Interessen  der  Flüchtlinge  und  Mitarbeiter  bei  allen  mit
der  elsaß-lothringischen  Vertriebenenfürsorge  beschäftigten
Behörden  und  Organisationen.  Bei  der  Besprechung  der
Entstehung  der  verschiedenen  Hilfsunternehmen  ist  klar
hervorgetreten,  daß  sie,  den  notwendigsten  Bedürfnissen
der  Flüchtlinge  Bechnung  tragend,  mehr  zufällig  als  planmäßig ­
  entstanden  sind.  Durch  die  schon  früh  eingetretene
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