§ VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus.
herrschast verwendeten Kapitals zu achten, das zeitlich und lokal
keineswegs gleich groß ist, im wesentlichen erst in den leßten
anderthalb Jahrhunderten bedeutender wird. Die mittelalter
liche, die altdeutsche Grundherrschaft widerspricht gerade auch
dadurch dem kapitalistischen Unternehmen, daß in ihr die Mehr-
zahl der beschäftigten Arbeiter zur Selbständigkeit gelangt,
ja vielmehr schon besitt. Die Hörigen dienen ja dem Grund-
herrn, indem sie ein Grundstück zur eigenen Nußung erhalten.
Man kann dies eine nur verhältnismäßige Selbständigkeit nen-
nen; eine Selbständigkeit ist es immerhin. Wir sehen noch davon
ab, daß weiterhin viele Grundherren ihren Besitz durch Hin-
gabe in Pachtparzellen verwerteten.
Die große Unternehmungist nicht bloß „etw as rein Äußeres".
Wir nehmen vielmehr wahr, wie der große Unterschied in der
Quantität auch hier!) wiederum eine qualitative Wirkung übt.
Mit der Größe des Unternehmens ist durchaus alles das ge-
geben, was man berechtigterweise als Kennzeichen des Kapitalis-
mus nennt?). So die dauernde Unselbständigkeit der Mehrzahl
der Arbeiter. Wenn die Betriebe in einem Volksganzen groß
sind, so müssensie entsprechend weniger zahlreich sein, was dann
die Folge hat, daß entsprechend weniger Arbeiter zur Selb-
ständigkeit aufsteigen können, während, wenn die Betriebe nur.
einen mittleren oder kleinen Umfang haben, entsprechend mehr
Arbeiter selbständig werden, sogar die Mehrzahl, wie beim
Vorwalten des alten Handwerks. Ein Hindernis für das Auf-
steigen von Arbeitern zu Leitern selbständiger großer Unter-
nehmungen liegt auch in dem Umstand, daß. für die Einrichtung
einer großen Unternehmung eben großes Kapital notwendig ist,
das der Arbeiter sich weniger leicht zu beschaffen vermag, wie
im Gewinn hat. Auch die Erklärung, daß aus dem Verkauf der Er-
zeugnisse eine „beträchtliche Einnahme“ entstehe, genügt nicht. Eine
solche ist ja schon bei bäuerlichen Wirtschaften vorhanden.
z Eh Z.. Volkswirtschaftslehre, bei Elßbacher, Be-
rufswahl, S. 197 ff. Sombart, Kapitalismus, 2. Aufl., Bd. I, S. 319 ff.
und S. 836 ff.
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