— 528 —
Die Pflichtigen setzen sich in fast allen LFA.-Bezirken zu mehr als drei Vierteln aus
Lohnsteuerpflichtigen zusammen. Eine Ausnahme machen nur Oldenburg mit 68,0
ınd München mit 72,6 vH Lohnsteuerpflichtigen. In rund der Hälfte der LFA.-Bezirke
ibersteigt der Lohnsteuerpflichtigenanteil sogar 80 vH. Naturgemäß sind das namentlich
lie Gebiete mit vorherrschendem Gewerbe oder mit landwirtschaftlichem Großbetrieb,
wie Düsseldorf, Berlin, Unterweser, Unterelbe, Dresden, Leipzig, Magdeburg, Ober-
schlesien, Breslau, Königsberg, Brandenburg. In Kassel, Köln und Münster ist der hohe
Anteil Lohnsteuerpflichtiger nicht allein aus dem industriellen Einschlag, sondern zum
Teil auch aus den ungünstigen Witterungsbedingungen zu erklären, unter denen die
Landwirtschaft gerade dieser Gebiete im Jahre 1925 zu leiden hatte und die das Ein-
zommen zahlreicher selbständiger Landwirte derart schmälerte, daß sie aus der Steuer-
oflicht ausschieden.
Steuerkraft. Nach der Höhe ihrer Steuerkraftziffer ergibt sich für die Landes-
inanzbezirke die nachstehende Reihenfolge (s. Übersicht 35 8. 537).
Berlin mit einer Steuerkraftziffer von 131,9 AM eröffnet die Reihe mit weitem Vor-
sprung gegenüber den beiden hansischen LFA.-Bezirken Unterweser und Unterelbe,
deren Ziffern mit 119,8 und 117,9 eng beieinander liegen. Nur diese drei nahezu rein
städtischen LFA.-Bezirke haben eine Steuerkraft von mehr als 100.7. Es folgen
dann die Zentralbezirke der wichtigsten deutschen Industriegebiete, des rheinisch-west-
tälischen (Düsseldorf, 72,7) und des mitteldeutschen (Leipzig, 83,6). Der LFA.-Bezirk
Kassel verdankt seine hohe Steuerkraftziffer (70,9) vornehmlich dem Gewicht Frankfurts.
Dagegen hat die Ziffer Dresdens (67,3) eine allgemein günstige Wirtschaftslage des
yanzen Bezirks zur Voraussetzung. Das gilt in gleicher Weise für die LFA.-Bezirke
Stuttgart, Karlsruhe, Schleswig-Holstein und Magdeburg, die eine Steuerkraftziffer von
51 bis 57 AM aufweisen, gilt aber weniger für Köln (51,8) und Münster (48,3), wo
sich große Landschaftsgebiete mit grundsätzlich verschiedenem Wirtschaftsaufbau und
Leistungsvermögen gegenüberstehen. Die bisher genannten 13 Bezirke haben, außer
Münster, sämtlich eine Steuerkraft von mehr als 50,7. und haben alle einen starken
gewerblichen Einschlag. Dagegen ist im Wirtschaftsaufbau der 13 steuerschwächeren
LFA.-Bezirke die Landwirtschaft das wichtigste Glied. Von diesen weisen acht eine
Steuerkraftziffer von 41 bis 47 AM auf; neben Darmstadt und den drei bayerischen
LFA.-Bezirken sind es die Bezirke Hannover, Oldenburg, Thüringen und Brandenburg-
Je reiner in den LFA.-Bezirken der agrarische Charakter zum Durchbruch kommt, um
30 tiefer liegt ihre Steuerkraft. So beträgt sie in Breslau und Mecklenburg-Lübeck
zaum 40, in Stettin etwas mehr als 30 .A.M, in Oberschlesien nur rd. 26 und in
Königsberg sogar nur 20 ‚AM.
Daß Oberschlesien so ungünstig dasteht, erscheint zunächst auffällig, wird aber
verständlich, wenn man bedenkt, daß der Anteil gewerblich Tätiger an der Gesamt-
bevölkerung im heutigen Oberschlesien geringer ist als in Niederschlesien.
Für die Gebiete höherer Steuerkraft ist somit die höhere gewerbliche Entwicklung
;harakteristisch, dann aber auch das Vorherrschen der bäuerlichen Betriebsform in der
Landwirtschaft. Die steuerstärksten Gebiete liegen, abgesehen von den rein städtischen
LFA.-Bezirken (Berlin, Unterelbe, Unterweser), in West- und Mitteldeutschland, nament-
lich am Saume der Gebirgszüge, von wo sie teilweise weit in das Gebirge hineinragel;
30 vor allem am Rhein entlang und am Neckar. Dagegen liegen die steuerschwächsten
Gebiete in den gewerbearmen Bezirken östlich der Elbe. Große Teile Mitteldeutschlands
sowie Nord- und Süddeutschland weisen im ganzen eine mittlere Steuerkraft. auf.
Natürlich kann eine solche zusammenfassende Charakterisierung großer Wirtschafts
zebiete in nur einer Ziffer keine sehr weitgehenden Erkenntnisse erschließen, denn alle
liese Bezirke umfassen ‚wieder steuerstärkere und steuerschwächere. Teilgebiete. Die
nachfolgende Aufstellung macht deshalb den inneren Aufbau der nach sinkender
Steuerkraftziffer geordneten Landesfinanzamtsbezirke genauer ersichtlich.