Full text : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

WANDERUNGSVORGANG  ELS.-LOTHR.  BEVÖLKERUNGSGRUPPEN.  25
Eine  nähere  Bestimmung  der  aus  den  uns  entrissenen
Grenzlanden  sowie  aus  dem  ehemaligen  Österreich-Ungarn
vertriebenen  und  verdrängten  Volkgenossen  ist  unmöglich.
Der  deutsche  Schutzbund  für  Grenz-  und  Ausländsdeutsche
mit  Sitz  in  Berlin  schätzt  allein  die  seit  Kriegsende  aus
der  Tschecho-Slowakei  nach  Deutschland  eingewanderten
Deutschen  auf  40000.
Im  Zusammenhang  mit  dieser  von  allen  Seiten  in  das
durch  den  Versailler  Frieden  stark  verkleinerte  Deutschland ­
  von  allen  Seiten  stattfindenden  Rückwanderung  steigert ­
  sich  rein  quantitativ  betrachtet  das  elsaß-lothringische
Einwanderungsproblem  in  starkem  Maße.
In  ein  Verhältnis  können  wir  jedoch  diese  Einwanderung ­
  zu  der  oben  angedeuteten  in  die  Vereinigten  Staaten
nur  bringen,  indem  wir  die  Bevölkerungsziffer  und  die
Größe  der  beiden  Länder,  also  ihre  Bevölkerungsdichte
vergleichen.  Auch  dieser  Vergleich  steigert  die  Einwanderungserscheinung ­
  der  letzten  beiden  Jahre  nach  Deutschland ­
  gegenüber  der  Einwanderung  in  die  Vereinigten  Staaten.
Die  Vereinigten  Staaten  zählten  1900  —  also  etwa  zur  Zeit
der  oben  ziffermäßig  dargelegten  Einwanderung  —
76303  387  Einwohner  und  umfaßten  ein  Land  von
9383029  qkm.  Deutschland  hatte  vor  dem  Kriege  im
Jahre  1910  eine  Bevölkerung  von  rund  68000  000  und  umfaßte ­
  ein  Gebiet  von  540857  qkm.  Durch  den  Frieden
von  Versailles  haben  sich  diese  Zahlen  für  Deutschland
stark  verändert.  Wir  haben  weite  Strecken  Landes  und
'große  Bevölkerungsteile  verloren,  doch  dürfte  die  durchschnittliche ­
  Bevölkerungsdichte  durch  die  Losreißung  unserer ­
  Ostprovinzen  noch  wesentlich  gestiegen  sein,  da  gerade ­
  der  Osten  Deutschlands  eine  schwache  Besiedelung
aufweist.  Auf  1  qkm  kamen  im  Jahre  1900  in  den  Vereinigten ­
  Staaten  9  Einwohner,  1910  in  Deutschland  120,
nach  dem  Gesagten  im  Jahre  1920  —  also  zur  Zeit  der  Einwanderung ­
  der  vertriebenen  Elsaß-Lothringer  —  voraussichtlich ­
  mehr  als  120.  Nehmen  wir  die  Entwicklungsmöglichkeiten
  und  die  Grundlagen  der  beiden  Volkswirtschaften ­
  als  völlig  gleiche  an,  so  ist  es  klar,  daß  diese
            
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